Indigene in Ecuador melden Anschlag auf Anführer und nehmen drei Polizisten fest

Indigene Organisationen sprechen von Anschlag auf den früheren Conaie-Chef. Anwohner in Cotopaxi nahmen drei mutmaßlich beteiligte Polizisten fest. Staatsanwaltschaft wirbt für Dialog mit indigener Justiz

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Leonidas Iza war von 2021 bis 2025 Vorsitzender des Conaie und Präsidentschaftskandidat
Leonidas Iza war von 2021 bis 2025 Vorsitzender des Conaie und Präsidentschaftskandidat

Guayaquil/Quito. Nach Angaben indigener Organisationen hat sich am vergangenen Montag ein Mordanschlag auf den bis vor Kurzem amtierenden Präsidenten des Indigenenverbandes Conaie, Leonidas Iza, ereignet. Iza, der das Amt bis zum 9. August inne hatte, schilderte den Vorfall auf einer Pressekonferenz am folgenden Tag.

Er gab an, während seiner Zeit als Vorsitzender der Conaie Opfer von "systematischer Überwachung" gewesen zu sein. Allerdings habe er gedacht, dass dies mit der Übergabe des Vorsitzes der Organisation vorbei sei. Am besagten Tag habe er in seiner Gemeinde in der Region Cotopaxi sein Haus renoviert und gesehen, dass ihn Männer aus einem herausfahrenden Auto filmten und fotografierten. Beim dritten Mal habe er beschlossen, das Auto anzuhalten. "Es kam mit voller Geschwindigkeit, und wenn die Polizei gefahren wäre, wäre ich wahrscheinlich schon tot", erklärte er. Er fügte jedoch hinzu, die Männer hätten einen jungen Mann als Fahrer bezahlt, "der anhielt, als er mich sah".

Die indigene und bäuerliche Bewegung der ecuadorianischen Provinz Cotopaxi (Micc) sah in einer Pressemitteilung "mutmaßliche Geheimdienstmitarbeiter" am Werk und machte Staatspräsident Daniel Noboa für "jeden Anschlag auf das Leben" ihrer Anführer verantwortlich.

Weiter hieß es in der Erklärung der Micc: "Dieses Verbrechen ist kein Einzelfall; es ist die Fortsetzung einer systematischen Politik der Verfolgung, Schikanen, Morddrohungen und Diskreditierung unserer Organisationsstrukturen und derjenigen von uns, die sich gegen eine den Wirtschaftseliten untergeordnete Regierung aussprechen." Laut Micc gäbe es in Ecuador "keine Demokratie, sondern eine verschleierte Diktatur der Reichen, die durch staatliche Gewalt und Angst aufrechterhalten wird".

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Laut Presseberichten wurden nach dem Vorfall drei mutmaßlich tatbeteiligte Polizeibeamte von Anwohnern der Provinz Cotopaxi festgenommen. Sie sollen von der indigenen Justiz wegen Mordversuchs angeklagt werden. In einer Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft hieß es: "Die Staatsanwaltschaft respektiert und erkennt die Normen und Traditionen der indigenen Gemeinschaften an, einschließlich der Konfliktlösung in ihren eigenen Gebieten." Es sei jedoch "unerlässlich, Mechanismen für den Dialog zwischen der indigenen Justiz und ordentlichen Gerichten zu schaffen". Auf den Tatvorwurf selbst ging die Staatsanwaltschaft in der Erklärung nicht ein.

In Regionen mit hohem Anteil indigener Bevölkerung existieren in verschiedenen Ländern Lateinamerikas Strukturen indigener Selbstverwaltung, in denen das Zusammenleben, politische Entscheidungen bis hin zu juristischen Fragen ohne staatliche Organisationen und traditionelle politische Parteien selbst organisiert wird.

Iza hatte bei den Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr für die indigene Partei Pachukutik kandidiert und den dritten Platz belegt. Danach unterstützte er in der Stichwahl die linksgerichtete Kandidatin Luisa González, die Noboa in der Stichwahl unterlag. Die Opposition hatte allerdings Betrugsvorwürfe erhoben (amerika21 berichtete).