Entscheidende Festnahme im Fall des Verschwindenlassens der 43 Studenten in Mexiko

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Eltern der 43 Lehramtsstudenten bei einer Protestaktion in Mexiko-Stadt im Oktober 2021
Eltern der 43 Lehramtsstudenten bei einer Protestaktion in Mexiko-Stadt im Oktober 2021

Chilpancingo. Die mexikanische Armee und die Nationalgarde haben Ḿateo Benitez Palacio, Spitzname "El Gordo" (Der Dicke), in Iguala im Bundesstaat Guerrero festgenommen. Er soll beim Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa im September 2014 besonders involviert gewesen sein.

Benitez wurde am 15. Januar zusammen mit seinen beiden Brüdern und seinem Begleitschutz gefasst. Medienberichten zufolge soll jemand den Notruf gewählt und den Hinweis auf die schwerbewaffneten Männer, die in drei Autos in Iguala unterwegs waren, gegeben haben. Laut dem Amt für öffentliche Sicherheit ist die Festnahme der Männer das Ergebnis von Ermittlungen des Geheimdienstes und der Spezialeinheiten gewesen.

Nach ihrer Festnahme wurden die drei Männer an die Staatsanwaltschaft von Chilpancingo, der Hauptstadt von Guerrero, überführt. Benitez wurde seit mehreren Monaten per Haftbefehl wegen Verschwindenlassens der 43 Lehramtsstudenten und wegen Verbindung zur organisierten Kriminalität gesucht.

Laut Vidulfo Rosales Sierra, Anwalt der Eltern der Opfer, war Benitez wegen seiner Beteiligung an dem Verbrechen bereits in der Vergangenheit festgenommen worden, wurde aber bald wieder freigelassen, denn "die Staatsanwaltschaft hielt damals die Festnahme von Benitez für nicht wichtig. Es wurde keine gute juristische Arbeit gemacht", kritisiert Rosales.

Zum Zeitpunkt des Verbrechens gegen die Lehramtsstudenten war Benitez Mitglied der Drogenbande Los Tilos, die unter dem Befehl des größeren Kartells Guerreros Unidos stand. Dieses soll für die Verschleppung der 43 jungen Männer mit verantwortlich sein.

Ermittlungen zufolge war Benitez an der Verfolgung, der Festnahme und dem Transport der Lehramtsstudenten beteiligt. "Die Verhaftung von Benitez ist von entscheidender Bedeutung, da er über den Verbleib der 43 Lehramtsstudenten Auskunft geben könnte". Rosales Sierra berichtet, dass es im Fall Ayotzipnapa weitere 32 Haftbefehle gebe: "Mit dieser Festnahme von Benitez ist der Fall längst nicht geklärt. Es ist sehr wichtig, dass diese weiteren Haftbefehle vollzogen werden."

Die 43 Lehramtsstudenten wurden in der Nacht zum 27. September 2014 in der kleinen Stadt Iguala von der Bundespolizei verschleppt. Seitdem fehlt von 40 jede Spur. Bis jetzt sind die Überreste von Alexander Mora Venancio (2014), Christian Alfonso Rodríguez Telumbre (2020) und Joshivani Guerero de la Cruz (2021) aufgefunden und identifiziert worden.

Bei dem Massaker wurden zudem 40 Menschen verletzt und zwei weitere getötet.

Die Experten hatten damals neue Ermittlungslinien vorgeschlagen, darunter die Befragung des Militärbataillons, das in der Nacht des Geschehens im Einsatz war, sowie eine Untersuchung der ausgehenden Anrufe der Handys einiger der Opfer, die Tage nach deren Verschwinden getätigt wurden. Dies wurde bis heute von den Behörden nicht berücksichtigt.

Seit dem Verschwindenlassen der jungen Männer verlangen die Eltern, dass weiter nach ihren Kindern gesucht wird und die Täter vor Gericht gestellt werden. Die Eltern planen für dieses Jahr eine bundesweite Reise, um den Kontakt mit solidarischen Organisationen wieder aufzunehmen.

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