Mexiko-Stadt. Am Abend vor dem Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft der Männer haben Hunderte Menschen in Mexiko-Stadt gegen das gewaltsame Verschwinden im Land protestiert. Die Demonstrierenden gehören zu Kollektiven der "Madres buscadoras" (Suchende Mütter). Zahlreiche Gruppen und Organisationen suchen nach den über 133.000 verschwundenen Menschen in Mexiko (amerika21 berichtete).
Das Ziel des Demozugs war das Aztekenstadion, Austragungsort der ersten Partie des Turniers. Doch noch bevor das Stadion in Sicht kam, wurde der Weg von schwer gerüsteten Polizeieinheiten versperrt. Für den Bereich um das Stadion gelten derzeit besondere Sicherheitsbestimmungen.
Viele der Menschen trugen grüne Trikots, ähnlich der mexikanischen Nationalmannschaft. Aber statt der Namen von Fußballspielern standen darauf die Namen der verschwundenen Angehörigen. Die Demonstrierenden trugen Kerzen, Banner und Schilder. Auf einigen stand in Anspielung auf den Slogan der WM: "Der Ball kehrt nach Hause zurück – aber wann die Verschwundenen?"
In der Menge sind auch zwei Personen, die sich als Axolotl verkleidet haben. Die endemischen Amphibien sind die inoffiziellen Maskottchen von Mexiko-Stadt für die Weltmeisterschaft. Passend zum Protest tragen sie aber nicht wie sonst Fußbälle oder Pokale, sondern Schaufeln – Symbol für die Suche nach den Opfern der organisierten Kriminalität, patriarchaler und staatlicher Gewalt.
Auf der Demonstration sind auch die 43 Studierenden von Ayotzinapa auf Plakaten zu sehen, in Sprechchören und Reden präsent. Sie gelten als eines der bekanntesten Symbole für staatliche Gewalt und Straflosigkeit in Mexiko. 2014 wurden sie durch Polizei und Militär verschleppt und konnten bisher nicht wieder gefunden werden. Es gilt als sicher, dass sie ermordet wurden. Eine vollständige Aufklärung des Vorfalls ist bis heute nicht erfolgt.
Nicht selten finden die Kollektive der Suchenden Massengräber. Erst im Februar dieses Jahres wurden Dutzende Leichen nur 20 Kilometer vom WM-Stadion in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco entdeckt.
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In Mexikos Hauptstadt und anderen Teilen des Landes fanden zum Auftakt der Weltmeisterschaft zahlreiche Proteste statt. Dabei wird nicht nur das Vertuschen der allgegenwärtigen Gewalt im Schatten des FIFA-Spektakels angeprangert, sondern auch weitere soziale und ökologische Missstände.
Neben Angehörigen von Verschwundenen protestieren unter anderem Bäuer:innen, Arbeiter:innen des Gesundheitswesens, Gewerkschaften, Fahrer:innen des öffentlichen Nahverkehrs und Indigenen-, Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen (amerika21 berichtete).
"Wir wollen keine Weltmeisterschaft" wird häufig in weißer Farbe an die Wände der Hauptstadt gepinselt. Für viele Demonstrierende ist die WM vor allem ein Katalysator problematischer Entwicklungen in der Millionenmetropole und im ganzen Land. Dazu zählen Gentrifizierung, insbesondere nahe der Stadien, massive Preiserhöhungen, Wassermangel, das Vertreiben von Straßenverkäufer:innen und die steigende Militärpräsenz (amerika21 berichtete).
Der Blick richtet sich auch auf die anderen WM-Austragungsorte in Kanada und den USA. Insbesondere die Repression gegenüber Migrant:innen unter Donald Trump wird in Mexiko thematisiert. Sprüche gegen die Einwanderungsbehörde I.C.E. und Anti-Trump-Parolen wurden selbst auf Polizeitransporter geschrieben, die dem Demozug den Weg zum Stadion versperren.
Während die Demonstration von der Polizei gestoppt wurde, spielten einige dort Fußball. Der Sport sei nicht das Problem, so die Parolen, sondern die kapitalistische Inbesitznahme des Ballsports. Und so wurde auf der Straße bis spät in den Abend gekickt.
An das Publikum der WM richten die Madres buscadoras eine klare Botschaft: "Von uns aus schaut die Spiele, aber seid euch der Situation hier im Land bewusst: Mexiko ist Weltmeister des Verschwindenlassens. Unterstützt uns, lasst euch nicht täuschen!"

