Iquitos/Lima/Weimar. Die peruanische Menschenrechts- und Umweltverteidigerin Olivia Bisa Tirko ist in der amazonischen Region Loreto Ziel eines Angriffs geworden. Dies geht aus einer Erklärung der autonomen Territorialregierung der Nación Chapra (GTANCH) hervor.
Demzufolge wurde Bisa in der Nähe der Gemeinde Angamos von Männern auf einem Motorradtaxi bedrängt, sodass sie ausweichen musste, um nicht in eine Schlucht zu stürzen. Anschließend verfolgten die Männer sie und ihre Familie bis in den Ort und bedrohten sie dort mit einer Schusswaffe. Daraufhin griffen Mitglieder der Gemeinde ein, was die Täter zur Flucht veranlasste.
Bisa steht seit 2022 als erste Frau der autonomen Territorialregierung der Nación Chapra im peruanischen Amazonasgebiet vor. Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet, gilt Bisa als eine der prägenden indigenen Menschenrechtsverteidigerinnen Perus. Die von ihr geführte Chapra-Nation schützt ein etwa 200.000 Hektar umfassendes Territorium, dessen Primärwälder bis heute weitgehend erhalten sind.
Neben dem territorialen Schutz engagierte sich Bisa maßgeblich bei der Aufarbeitung von Umweltschäden durch Erdölförderung und erwirkte die Sanierung verseuchter Gebiete. Für ihre Arbeit erhielt sie 2025 den Preis für Umwelt- und Klimagerechtigkeit der Organisation Forum Eco-Social Transformations und in diesem Jahr in Deutschland den 32. Weimarer Menschenrechtspreis.
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Wie Bisa mitteilte, hatte die Polizeiwache in San Lorenzo die Entgegennahme der Strafanzeige nach der Tat zunächst verweigert. Der Vorfall reihte sich in eine Serie von Repressalien ein: Sie ist regelmäßig Morddrohungen und Einschüchterungen ausgesetzt. Bereits 2024 warnte Mary Lawlor, die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechtsverteidiger:innen, vor ihrer zunehmenden Gefährdung.
Bisa ist kein Einzelfall. Nach Angaben des Justizministeriums wurden in Peru zwischen Juni 2019 und Februar 2026 mehr als 450 Fälle von Gefährdungen und Angriffen auf Umweltverteidiger:innen registriert. Außerdem wurden mehr als 370 indigene Personen von der Strafverfolgung belangt, weil sie ihre Territorien verteidigten.
Die Stadt Weimar und die GfbV forderten die Behörden in Lima umgehend dazu auf, die Sicherheit von Olivia Bisa Tirko und ihrer Familie zu garantieren, die Angriffe unabhängig untersuchen zu lassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

