Mexiko: Videos belegen Folter von Zeugen im Fall Ayotzinapa

Videoaufnahmen zeigen, dass Zeugen im Fall Ayotzinapa zur Durchsetzung der "historischen Wahrheit" gefoltert wurden

Videoaufnahmen zeigen, dass Zeugen im Fall Ayotzinapa zur Durchsetzung der "historischen Wahrheit" gefoltert wurden
Videoaufnahmen zeigen, dass Zeugen im Fall Ayotzinapa zur Durchsetzung der "historischen Wahrheit" gefoltert wurden

Mexiko-Stadt. Der inzwischen aufgelöste zivile mexikanische Geheimdienst "Zentrum für Ermittlungen und Nationale Sicherheit" (Cisen) hat im Rahmen des Ermittlungsverfahrens um die 43 verschwundenen Lehramtsstudenten von Ayotzinapa 40 Aufnahmen von Befragungen angefertigt, die zeigen, wie Zeugen und Verdächtige gefoltert werden. Auf dem Videomaterial sind Beamte der Generalstaatsanwaltschaft und Sicherheitskräfte aus der Regierungsperiode des ehemaligen Präsidenten Enrique Peña Nieto zu sehen.

Die von der Generalstaatsanwaltschaft im Jahr 2019 eingesetzte "Spezialeinheit für Ermittlung und Prozessführung im Fall Ayotzinapa" (Unidad Especial de Investigación y Litigación para el Caso Ayotzinapa) entdeckte die Videoaufnahmen. Das Filmmaterial ist Teil der Akte, die sie für den Fall Ayotzinapa angelegt hat und die belegt, wie Beweise systematisch und massiv manipuliert wurden, um den von der Regierung als "historische Wahrheit" behaupteten Ablauf der Geschehnisse zu konstruieren. Demnach hätten drei Mitglieder der Drogenbande Guerreros Unidos die 43 Lehramtsstudenten in einer Müllkippe in der Gemeinde Cocula lebendig verbrannt.

Besagte Befragungen, bei denen es nachweislich zu Folterungen kam, fanden im Zeitraum von Oktober 2014 bis Januar 2015 statt. In den Videoaufnahmen sollen unter anderem Tomás Zerón de Lucio, der damalige Leiter der kriminalpolizeilichen Ermittlungsbehörde und Gualberto Ramírez, Leiter der Anti-Kidnapping-Einheit, neben anderen Beamten der Generalstaatsanwaltschaft und der Sicherheitskräfte und sogar Pflichtverteidiger der Verhafteten zu sehen sein. Während Einige Anweisungen zu Folterhandlungen erteilten, führten andere diese aus, weitere anwesende Personen schauten zu, ohne einzugreifen oder sie zu verhindern. Zeugen und Verdächtige beziehungsweise Personen, die in irgendeiner Form in den Fall involviert waren, sollten die Version der Geschehnisse, die der ehemalige Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam und Zerón de Lucio, vorgaben, wiederholen. Auf diese Art und Weise sollte die "historische Wahrheit" bestätigt und damit zu deren Durchsetzung beigetragen werden.

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Zerón de Lucio wird neben Folter und Verschwindenlassen vorgeworfen, die Ermittlungen im Fall Ayotzinapa behindert zu haben. Ein entsprechender Haftbefehl gegen ihn wurde bereits erlassen. Vor kurzem hatte ein Bundesrichter eine einstweilige Verfügung dagegen verweigert. Der Beschuldigte befindet sich aktuell in Israel. Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) hat deshalb vergangene Woche in einem Schreiben an die israelischen Behörden die Auslieferung Zeróns gefordert.

Neben diesem Haftbefehl bestehen 40 weitere, die seit sechs Monaten nicht vollstreckt wurden. Im Allgemeinen gebe es laut Amlo im Fall Ayotzinapa nichtsdestotrotz Fortschritte, doch die Regierung sei sich auch bewusst, dass weitere notwendig sind, sagte Vidulfo Rosales, ein Anwalt der Familien der 43 verschwundenen Lehramtsstudenten, nach einem Treffen mit dem Präsidenten am 24. September.

Das Verschwinden der 43 Jugendlichen jährte sich dieses Jahr am 26./ 27. September zum siebten Mal. Familienangehörige und Studierende kamen nach Mexiko-Stadt um einen Protesttag zu begehen.

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