Mexiko / Militär / Politik

Mexiko: Im Fall Ayotzinapa weitere menschliche Überreste auf DNA positiv getestet

eltern_der_43_verschwundenen_lehramtstudenten_in_mexiko-stadt.jpg

Eltern der Lehramtsstudenten bei der symbolischen Besetzung der Staatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt
Eltern der Lehramtsstudenten bei der symbolischen Besetzung der Staatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt

Cocula. Menschliche Überreste von zwei weiteren der seit 2014 verschwundenen Lehramtsstudenten sind im mexikanischen Bundesstaat Guerrero gefunden worden. Das hat der Staatsanwalt für den Fall Ayotzinapa, Omar Gómez Trejo, zusammen mit dem Subsekretär für Menschenrechte, Alejandro Encinas, bei einer Pressekonferenz am Montag bekannt gegeben.

Von insgesamt 170 Überresten, die in der Schlucht "Die Metzgerei" (Barranca de la Carniceria) gefunden wurden, sind zwei auf die DNA-Analyse positiv getestet worden. Die Namen der identifizierten Opfer wurden bisher nicht bekanntgegeben.

"In dem Areal wurden menschliche Knochen gefunden, die nicht dem Feuer ausgesetzt waren. Dies eröffnet neue Ermittlungslinien im Fall Ayotzinapa", erklärte Gómez Trejo.

Die Eltern der Lehramtsstudenten haben unterdessen am Donnerstag die Staatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt symbolisch besetzt. "Wir lieben unsere Kinder sehr. Wir werden uns nicht mit ein paar Knochen zufriedengeben. Wir wollen die Leichname unserer Kinder sehen". Die Eltern stellen den plötzlichen Fund der Überreste in Frage: "Wie kann es sein, dass die Knochen sieben Jahre lang so in einer wilden Umgebung unbeschadet lagen?", so die kritische Frage an die Behörde.

Bei der Pressekonferenz in der Kleinstadt Cocula im Bundesstaat Guerrero betonte Gómez Trejo, dass die Information über die Verortung der Überreste von einem Mittäter des Verbrechens und von mindestens 30 Zeugen kam.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

Mit dem aktuellen Fund ist die Erklärung des damaligen Präsidenten, Enrique Peña Nieto, und des damaligen Leiters der kriminalpolizeilichen Ermittlungsbehörde (AIC), Tomás Zerón de Lucio, die als "historische Wahrheit" bezeichnet wurde, endgültig entkräftet. Demnach hätten drei Mitglieder der Drogenbande Guerreros Unidos die 43 Lehramtsstudenten in einer Müllkippe in der Gemeinde Cocula lebendig verbrannt.

Gegen Zerón de Lucio, der sich in Israel aufhält, ist bereits ein internationaler Haftbefehl erlassen worden, der aber noch nicht vollstreckt wurde.

Die Eltern verlangen von der mexikanischen Regierung eine gründliche und seriöse Klärung dessen, was zwischen dem 26. und 27. September 2014 geschehen ist, als die Gruppe von 43 Lehramtsstudenten von Angehörigen der Bundespolizei in der Stadt Iguala, Guerrero, verschleppt wurde. Bis heute wurden die Überreste von Alexander Mora Venancio (Dezember 2014), Christian Alfonso Rodríguez Telumbre (Juli 2020) und Jhosivani Guerrero de la Cruz (August 2021) entdeckt und identifiziert. Von den anderen jungen Männer fehlt nach wie vor jede Spur.

Die Eltern bestehen auf der Befragung des Militärbataillons, das in der Nacht des Geschehens im Einsatz war, sowie auf einer Untersuchung der ausgehenden Anrufe der Handys einiger der Opfer, die Tage nach deren Verschwinden benutzt wurden.

Obwohl unter der aktuellen Regierung von Andrés Manuel López Obrador der Umgang mit den 43 Eltern und ihren Anwälten besser geworden sei und sie einen Termin mit dem Präsidenten innerhalb kurzer Zeit bekommen hatten, seien die Ermittlungen nicht weitergekommen. "Die Ermittlungen stagnieren, sodass der Verbleib der Lehramtsstudenten nach wie vor unbekannt ist und die Verantwortlichen bis heute nicht bestraft wurden", betont der Anwalt der betroffenen Familien, Isidoro Vicario Aguilar.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr