La Paz. Am Sonntag haben mehr als 7,4 Millionen Menschen ihre Stimme bei den Regionalwahlen abgegeben. Bestimmt wurden die Gouverneur:innen der neun Departamentos, Bürgermeister:innen in den 334 Landkreisen sowie die Departamento-, Stadt- und Gemeinderät:innen. Zwar konnten zwei der dominierenden Parteien auf nationaler Ebene Erfolge für sich verbuchen, doch alternative Kräfte und ehemalige Führungskräfte der Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo, MAS) werden in Zukunft die Geschicke des Landes mitbestimmen. Bei den Wahlen herrschte Wahlpflicht.
Die Alianza Patria (Bündnis fürs Vaterland) des amtierenden Präsidenten Rodrigo Paz hat sich als politische Kraft auf nationaler Ebene etabliert. Sie konnte bei den wichtigen Gouverneurswahlen in den Departamentos La Paz, Beni und Tarija Erfolge erzielen. In Oruro und Chuquisaca belegten ihre Kandidat:innen den zweiten Platz. In all diesen Fällen müssen sie jedoch in die Stichwahlen.
Das regierungsnahe Bündnis hatte sich eigens für die Regionalwahlen 2026 gegründet und einige wichtige politische Führungsfiguren hinter sich vereinigt. Dazu gehört der Unternehmer Samuel Doria Medina von der Unidad Nacional (Nationale Einheit, UN), drittstärkste Partei im Parlament. Außerdem waren der Mitte-Links-Politiker Luis Revilla mit seiner Partei Souveränität und Freiheit für Bolivien (Soberanía y Libertad para Bolivia, SOL.bo) und der rechte Luis Fernando Camacho aus Santa Cruz mit Creemos (Wir glauben) dem Zusammenschluss gefolgt.
Auch die zweitstärkste parlamentarische Partei Libre stellt mit einer Frau die Gouverneurin in Pando und bestreitet in Santa Cruz die Stichwahl.
In Santa Cruz musste der amtierende Gouverneur Camacho seine Wahlniederlage eingestehen. Hier wird es eine Stichwahl um das Gouverneursamt zwischen dem Technologieunternehmer Juan Pablo Velasco von der rechten Libre und dem Anwalt Otto Ritter geben. Künftiger Bürgermeister der größten und bevölkerungsreichsten Stadt Boliviens wird Carlos Manuel Saavedra, auch "Mamén" genannt. Der Agraringenieur gehört mit seiner Partei VOS nicht den traditionellen Eliten an und hat sich mit Anzeigen gegen Korruption in der Stadt einen Namen gemacht. Er erhielt 71,4 Prozent der Stimmen, so viel wie nie zuvor ein Bürgermeister in der Geschichte des Landes.
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Die MAS, einst die dominierende Kraft auf der politischen Bühne, nahm nicht an den Wahlen teil. Jedoch errangen ehemalige Anhänger:innen wichtige Siege. Dies gilt beispielsweise für Leonardo Loza, überzeugter Anhänger von Ex-Präsident Evo Morales, der um den Gouverneursposten in Cochabamba vorn liegt. Hier müssen die endgültigen Wahlergebnisse noch abgewartet werden, um zu klären, ob es für die notwendige Mehrheit reicht. Der ehemalige Geschäftsführer der Seilbahn in La Paz, César Dockweiler, gewann das Bürgermeisteramt in der Hauptstadt. Er war zuletzt 2021 für die MAS angetreten. Edgar Sánchez, ehemaliges MAS-Mitglied, verfehlte nur knapp den Wahlsieg zum Gouverneur in Oruro. René Joaquino und Williams Cervantes gewannen im Rennen um den Gouverneurs- und Bürgermeisterposten in Potosí. Beide hatten in der Vergangenheit Posten als Senatoren und Bürgermeister für die MAS inne. Damit sind eher linksgerichtete Politiker:innen auf regionaler Ebene wieder vertreten.
Demnach stehen zwei der neun Gouverneur:innen fest, nämlich in Potosí und Pando. In La Paz, Oruro, Santa Cruz, Beni, Tarija und Chuquisaca finden am 19. April Stichwahlen statt. In Cochabamba steht die Entscheidung noch aus, bis das endgültige Wahlergebnis feststeht.
Um im ersten Wahlgang zu gewinnen, muss ein:e Kandidat:in 50 Prozent plus eine Stimme erhalten oder mindestens 40 Prozent mit einem Vorsprung von zehn Prozentpunkten vor seinem oder seiner unmittelbaren Verfolger:in.
Die Wahlen verliefen ohne größere Zwischenfälle.

