San Salvador. Die Regierung von Präsident Nayib Bukele hat in El Salvador den Gebrauch der inklusiven Sprache in allen öffentlichen Bildungszentren verboten. Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Technologie, Karla Edith Trigueros, unterzeichnete Anfang Oktober die Verordnung. Sie informierte auf ihrem Konto bei X darüber, dass die Umsetzung dieser Initiative in diesem Monat beginne, um "die junge Generation vom Kleinkind bis zum Jugendalter vor ideologischer Einflussnahme, die ihre ganzheitliche Entwicklung beeinträchtigt, zu schützen."
Mit dieser Vorschrift wird die Verwendung von Ausdrücken wie "amigue", "compañere", "niñe", "alumn@" oder "todas y todos" untersagt. Bei diesen Formen wird das "o" des generischen Maskulinums im Spanischen z. B. durch "e" oder "@" ersetzt. Die Entscheidung wurde mit dem Argument getroffen, "den guten Gebrauch der Sprache" in allen Arten von Materialien, Büchern und Verwaltungsdokumenten zu gewährleisten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Bukele sich während seiner Präsidentschaft mit diesem Thema auseinandersetzt. Schon 2024 beschloss er, die Geschlechterperspektive aus dem öffentlichen Bildungswesen zu verbannen.
Der nun gefasste Beschluss hat in Kritik hervorgerufen, denn er bedeute einen Rückschlag für Menschenrechte und Geschlechtergleichheit. Das zivilgesellschaftliche Netzwerk Tejiendo Redes Infancia verweist in einer Stellungnahme auf das Sondergesetz für ein Leben ohne Gewalt an Frauen, das viele Formen der Gewalt anerkenne, auch symbolische. Diese Maßnahme betreffe zudem nicht nur die feministische Bewegung, sondern auch die queere Bevölkerung.
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"Mit dieser Entscheidung werden auch Rechte verletzt, die in internationalen Menschenrechtsinstrumenten anerkannt sind: die Meinungsfreiheit, das Recht auf Anerkennung der Identität und das Recht auf eine Bildung, die die Grundsätze der Gleichheit und Nichtdiskriminierung achtet", hieß es in einer Erklärung des Netzwerkes.
Die neue Maßnahme gegen inklusive Sprache tritt in einem Land in Kraft, in dem Frauen besonders gefährdet sind. Nach Angaben der UN gehört El Salvador zu den Ländern in der Region mit einer der höchsten Raten an Femiziden. 2020 lag die Zahl bei 3,21 pro 100.000 Einwohnern. UN-Women zitiert Zahlen der Generalstaatsanwaltschaft des Landes, aus denen hervorgeht, dass 63 Prozent der Frauen angaben, im Laufe ihres Lebens mindestens einen Fall von sexueller Gewalt erlebt zu haben.
Zudem kommt die Entscheidung in einer Zeit der sich verschlechternden Menschenrechtslage im Land. Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Kritiker der Regierung Bukele berichten von Einschüchterungen, Überwachung und Verfolgung. So berichtete das salvadorianische Medium El Faro am 1. Juni dieses Jahres, dass alle seine Mitarbeiter ins Exil gehen werden, weil sie Verfolgung fürchten, nachdem sie über die Absprachen von Banden mit der Regierung Bukele berichtet hatten. Auch die Menschenrechtsorganisation Cristosal wurde nach der Verhaftung von Ruth López, einer ihrer Mitarbeiterinnen, zur Einstellung ihrer Arbeit in El Salvador im Mai dieses Jahres gezwungen.

