Indigener Bürgermeister in Guatemala wegen Blockaden von 2023 verhaftet

Estaban Toc bei Kontrolle auf der Interamericana festgenommen. Medien vermuten Bezug zu Protesten 2023. Offizielle Gründe fehlen

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Verschiedene Organisationen in Guatemala fordern die Freilassung von Esteban Toc
Verschiedene Organisationen in Guatemala fordern die Freilassung von Esteban Toc

Sololá/Quetzaltenango. Der ehemalige Indigene Vizebürgermeister von Sololá, Esteban Toc Tzay, ist am Donnerstag festgenommen worden. Toc spielte eine zentrale Rolle bei den Protesten 2023, bei denen der Amtsantritt des Sozialdemokraten Bernardo Arévalo durchgesetzt wurde. Er ist ein angesehener Gemeindeleiter in seiner Indigenen Community. Ein Bündnis aus korrupten Eliten und organisierter Kriminalität, in Guatemala als "Pakt der Korrupten" bekannt, hatte damals verhindern wollen, dass der mit einem Antikorruptionsprogramm angetretene Arévalo Präsident wurde.

Toc wurde bei einer Verkehrskontrolle auf der Interamericana festgenommen. Der 61-jährige pensionierte Lehrer leidet nach eigenen Angaben an mehreren chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes und habe sich auf dem Weg zu einer Routinebehandlung im staatlichen Krankenhaus IGSS in Quetzaltenango befunden.

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Indigene Autoritäten vor dem Gerichtsgebäude in Quetzaltenango
Indigene Autoritäten vor dem Gerichtsgebäude in Quetzaltenango

Toc wurde am Nachmittag, nach kurzzeitiger Polizeihaft in Totonicapán, ins Gerichtsgebäude in Quetzaltenango überstellt. Am Abend versammelten sich rund 100 Menschen, überwiegend Indigene Autoritäten aus Sololá, vor dem Gerichtsgebäude, von Anwohnern aus Quetzaltenango spontan mit heißen Getränken versorgt. Nach Informationen der Anwesenden gegenüber amerika21 hat Toc anwaltlichen Beistand, es soll zunächst eine ärztliche Untersuchung über den Gesundheitszustand und die Haftfähigkeit des chronisch Kranken stattfinden. Am Abend verbreiteten sich Informationen, wonach insgesamt 126 Haftbefehle  wegen der Blockaden von 2023 vorliegen sollen. Dies könnte zu einer erneuten Welle der Repression in den nächsten Wochen führen. In einer Erklärung Indigener Bürgermeister aus Sololá hieß es, man fordere von der Regierung Guatemalas einen "schnellen und frontalen Angriff auf den Pakt der Korrupten, der die Rechte der Indigenen Völker verletze."

Genaue Gründe für die Festnahme wurden bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Medien vermuten aber, dass es sich um den gleichen Tatvorwurf handelt, mit dem bereits im April die indigenen Autoritäten Luis Pacheco und Héctor Chaclán aus Totonicapán festgenommen wurden. Beiden wird unter anderem "Terrorismus, Behinderung der Justiz und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung" vorgeworfen, sie sitzen seitdem in Haft (amerika21 berichtete). Bei der Festnahme im April sollte auch der ehemalige Bürgermeister von Sololá, Edgar Tuy, festgenommen werden, er genießt aber Immunität, weil er mittlerweile das Amt des Gouverneurs von Sololá ausübt. Toc erklärte gegenüber den Medien nach seiner Festnahme, er sei "ruhig", weil er wisse, dass es sich um ein "soziales Problem" handele und er keine "kriminellen Handlungen" begangen habe.

Die Bevölkerung der nahezu ausschließlich von Indigenen bewohnten Departamentos Sololá und Totonicapán war zentral an den Blockaden im Oktober 2023 beteiligt, die Massenproteste unter Führung Indigener Strukturen waren in dieser Form ein Novum in Guatemala. Das Departamento Sololá war das letzte, in dem die Blockadepunkte nach Entscheidungen von Volksversammlungen aufgelöst wurden, danach konzentrierte sich der Protest auf die Hauptstadt, zentral auf ein Protestcamp vor der Staatsanwaltschaft (amerika21 berichtete). Mit dem Amtsantritt von Arévalo am 15. Januar 2024 endete der Protest. Indigene Autoritäten hatten wiederholt erklärt, dass die Entscheidungen für die Blockaden in basisdemokratischen Versammlungen gefällt wurden, die gewählten indigenen Bürgermeister hätten lediglich als "Sprecher" fungiert. Auch habe man nicht direkt für Arévalo, sondern zur Verteidigung der Demokratie und des Volkswillens bei den Wahlen protestiert. 

Aktualisierung: Am Freitag wurde Toc trotz seines schlechten Gesundheitszustandes in Haft genommen und soll ins Militärgefängnis Mariscal Zavala in Guatemala-Stadt überführt werden.