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Haiti fest im Griff bewaffneter Gruppen, USA lehnen Hilfe ab

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Haitis Premierminister Henry und US-Staatssekretär Robinson (links) in Port-au-Prince
Haitis Premierminister Henry und US-Staatssekretär Robinson (links) in Port-au-Prince

Port-au-Prince. In Haiti ist es erneut zu einem Engpass bei der Treibstoffversorgung aufgrund hoher Nachfrage gekommen. Diese entstand im Zuge einer einwöchigen Waffenruhe seitens der radikalen Gruppierung G9, die die Versorgung kontrolliert. Trotz der Öffnung konnten weder die Knappheit der Wochen zuvor behoben noch die Reserven für die kommenden Wochen gefüllt werden.

Die einwöchige Waffenruhe, die am 18. November endete, hatte die Organisation "Revolutionäre Kräfte der G-9 Familie und Alliierte" (G9 an fanmi e Alye) rund um Jimmy Cherizier erklärt. Die Versorgung mit Kraftstoffen von Krankenhäusern, Tankstellen, Schulen und Institutionen solle ermöglicht werden, hieß es zur Begründung. Damit wolle er auch den guten Willen und Mitgefühl gegenüber den Landsleuten ausdrücken. Darüber hinaus werde der Waffenstillstand im Gedenken des Jahrestages der Schlacht von Vertières, der letzten Schlacht des haitianischen Unabhängigkeitskrieges (18. November 1803) gewährt. Zudem erneuerte Cherizier seine Forderung nach Rücktritt von Premierminister Ariel Henry.

Zuvor hatte die G9 über einen Monat lang den Zugang zu den Treibstoffterminals blockiert und Tanklastwagen gekapert.

Der ehemalige Polizist Cherizier alias Barbecue hat zahlreiche bewaffnete Selbstverteidigungsgruppen und auch kriminelle Banden unter dem Banner "Revolutionäre Kräfte der G-9 Familie und Alliierte" vereint, um den Staat zu zerschlagen. Seine Basis sind Haitis Armenviertel.

Der Karibikstaat leidet seit Monaten unter einer sich verschärfenden wirtschaftlichen und sozialen Krise.

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Der US-Unterstaatssekretär für die Bekämpfung des Drogenhandels, Todd D. Robinson, stellte bei einem Besuch in der Hauptstadt Port-au-Prince indes klar, dass die internationale Gemeinschaft Haiti nicht "bei seiner internen Krise durch kriminelle Banden" helfen werde. Er kündigte jedoch die Spende von 60 Fahrzeugen und 200 Stück Schutzausrüstung für die Polizei an.

Die haitianische Armee forderte indes neue Ausrüstung von ihrer Regierung "für den Kampf gegen die kriminellen Banden, um die Unordnung in zwei Wochen zu beenden", so der Major der Streitkräfte, Eddy Marcelin. Die Armee verfügt zurzeit nur über 450 Soldaten, das ist weitaus weniger Personal, als den bewaffneten Gruppen zur Verfügung steht.

Bezüglich der Entführung der 17 US-amerikanischen Missionare durch die Gruppierung "400 Mawozo" sandte die US-Regierung bereits vor einigen Wochen Agenten der Bundespolizei FBI nach Haiti. Die Regierung Haitis schweigt zu dem Fall. Das letzte Lebenszeichen der Geiseln gab es am 5. November.

Die US-Regierung betonte bereits, dass sie nicht mit den Entführern verhandeln und dementsprechend auch nicht die geforderten 17 Millionen US-Dollar zahlen werde. "400 Mawozo" soll außer dem Lösegeld auch die Freilassung einer seiner Führungspersonen aus dem Gefängnis verlangen.

Medienberichte von Sonntag zufolge sind inzwischen zwei der Entführten freigelassen worden.

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