Haiti: Weitere Festnahme und kolumbianische Spuren im Mordfall Moïse

Auftragsmörder planten mutmaßlich auch Ermordung von Boliviens Präsident Luis Arce. Weiter Probleme mit Bandenkriminalität: US-Missionare entführt

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Seit dem Mord an Präsident Jovenel Moïse verschärft sich die Lage in Haiti zunehmend
Seit dem Mord an Präsident Jovenel Moïse verschärft sich die Lage in Haiti zunehmend

Port-au-Prince. Ein kolumbianischer Staatsbürger ist im Fall um den Mord am haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse in Jamaika als Verdächtiger festgenommen worden und soll der haitianischen Justiz ausgeliefert werden. Der Tag der Festnahme wurde nicht bekanntgegeben. Es handelt sich laut Aussage kolumbianischer Behörden vom Freitag um einen ehemaligen Militäroffizier.

Zuvor soll der Festgenommene bereits auf der Fahndungsliste der Polizeibehörde Interpol gestanden haben. In Kolumbien gab es laut dem Polizeichef General Jorge Vargas keine Ermittlungen gegen die Person. Er soll nach Erkenntnissen der haitianischen Justiz einer der 26 Kolumbianer sein, die beim Präsidentenmord Anfang Juli beteiligt gewesen waren (amerika21 berichtete). 18 kolumbianische Staatsbürger sitzen in Haiti noch in Haft, drei weitere wurden von der haitianischen Polizei getötet.

Am Montag zuvor erklärte der bolivianische Regierungsminister Eduardo del Castillo, dass kolumbianische Verdächtige und Auftraggeber im Mordfall Moïses an Planungen zur Ermordung des aktuellen Präsidenten von Bolivien, Luis Arce, beteiligt gewesen seien. Laut einem Bericht des Magazins Intercept hätte der Mord nach der Wahl im Oktober vergangenen Jahres und vor Amtsantritt wenige Wochen später stattfinden sollen. Die bolivianische Regierung legte Erkenntnisse über eine detaillierte Planung vor. Die aktuelle Regierung zieht Verbindungen zur Interimspräsidentin Jeanine Añéz und hohen Beamten ihrer Regierung, die im Land nach einem Staatsstreich ein Jahr lang herrschte.

Aufgrund der vielschichtigen und andauernden Probleme Haitis, regten die Präsidenten von Panama, Costa Rica und der Dominikanischen Republik (DR) in einer gemeinsamen Erklärung vom vergangenen Mittwoch die Entwaffnung des Karibikstaates an. Durch eine Entwaffnung solle verhindert werden, so der Präsident der DR, Luis Abinader, dass sich Gegner der haitianischen Regierung und kriminelle Banden der gemeinsamen Staatsgrenze nähern oder sie überschreiten. Alle drei Länder sind von starken Migrationsbewegungen aus Haiti betroffen.

Haiti leidet an einer stetig steigenden Gewaltkriminalität durch Banden, die Anzahl an Entführungen nimmt stetig zu. Besonders verstärkte die Kriminalität sich nach dem Mord an Moïse (amerika21 berichtete). Am vergangenen Samstag traf es 17 nordamerikanische Missionare, darunter fünf Kinder, die sich auf dem Rückweg von einem Waisenhaus in Ganthier außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince befanden. Es solle sich bei den Missionaren um 15 US-Amerikaner und eine kanadische Person der evangelikalen Hilfsorganisation Christian Aid Ministries handeln. Auch deren Busfahrer soll entführt worden sein.

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Die haitianische Bande "400 Mawozo", die hinter der Entführung stecken soll, verlangt für jede der Geiseln eine Million Dollar Lösegeld, wie Bandenchef Wilson Joseph alias "Lanmò San jou" in einem online verbreiteten Video erklärte. Ansonsten, so Joseph, würden die Geiseln getötet. 400 Mawozo starteten zunächst als kleine Bande lokaler Diebe, stiegen jedoch zu einer der gefürchtetsten Gruppierung des Landes auf. Sie kontrolliert einen Landstrich östlich der Hauptstadt.

Das US-Außenministerium entsandte ein Ermittlerteam der Bundespolizei FBI nach Haiti, das eine gemeinsame Operation mit der haitianischen Polizei durchführt, um die Missionare zu finden. Zu Ergebnissen der Operation gab es laut VOA Creole keine weiteren Informationen.

Nach der Geiselnahme trat der bisherige Polizeichef, Léon Charles, zurück. Er ermittelte auch im Mordfall Moïses. Er soll durch Frantz Elbe ersetzt werden. Zuvor hatte der oppositionelle Demokratische und Volkssektor den haitianischen Premierminister, Ariel Henry, aufgefordert, Charles von seinem Posten zu entlassen.

Im April erst war 400 Mawozo verantwortlich für die Entführung von 10 Personen, darunter zwei französischer Staatsbürger. Alle wurden, ohne Klarheit über eine Zahlung von Lösegeld, freigelassen.

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