Mexiko: Zwei führende Zapatistas verschwunden, ein Basismitglied ermordet

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Kampagne für José Antonio Sánchez Juárez und Sebastián Núñez Pérez
Kampagne für José Antonio Sánchez Juárez und Sebastián Núñez Pérez

Ocosingo, Chiapas. Während sich zapatistische Delegierte in Europa aufhalten, führen bewaffnete Gruppierungen in Chiapas neue Angriffe auf die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) aus.

Am 11. September verschwanden zwei Zapatistas in der Gemeinde Ocosingo: José Antonio Sánchez Juárez und Sebastián Núñez Pérez, Mitglieder des "Rates der Guten Regierung" in einem der Verwaltungszentren der indigenen Autonomie, wurden letztmals um acht Uhr morgens gesehen, als sie den Sitz der Autonomiebehörde in Patria Nueva verließen, um einer Aufgabe als Teil der indigenen Regierung nachzugehen. Nachdem die beiden jedoch nicht am Zielort ankamen, fanden die Zapatistas ihr Fahrzeug in der Gemeinde "7 de Febrero", wo die Regionale Organisation der Kaffeebauern von Ocosingo (Orcao) ihren Sitz hat.

Die Orcao, in den 1990er-Jahren Verbündete der Zapatistas bei der Besetzung von Großgrundbesitz, befindet sich seit 20 Jahren im Konflikt mit der EZLN, weil ihre Mitglieder die Regierungsprogramme zur Privatisierung des Ackerlandes befürworten, während die Zapatistas auf deren kollektiven Besitz beharren. Nicht das erste Mal wären Zapatistas von der Orcao entführt worden. Auch zwei Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums Frayba waren in deren Gewalt und vor Jahresfrist steckte die Orcao Lagerhallen der indigenen Widerstandsbewegung in Brand.

Trotz verschiedenen Aufrufen zur Aufklärung des Verschwindens der beiden Führungsmitglieder der EZLN ist bisher über ihr Schicksal nichts bekannt geworden.

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Wenige Tage darauf, am Abend des 15. September, geriet ein Fahrzeug der Zapatistas im Hochland von Chiapas in den Hinterhalt einer bewaffneten Gruppierung, dabei wurde Domingo Sántiz Jiménez getötet. Die Tat ereignete sich nahe dem Dorf Xuxch’en in der Gemeinde Aldama, als der Pick-up auf einer Brücke Halt machte, um abzuwarten, dass die Schießereien der paramilitärisch organisierten Gruppierung aus Santa Martha, Chenalhó, nachließen. Domingo Sántiz Jiménez stürzte aus dem Fahrzeug in den reißenden Fluss, erst in den frühen Morgenstunden wurde seine Leiche mit einer Schussverletzung im Gesicht gefunden. Wie Dorfbewohner:innen berichteten, gingen die Schießereien auch während dem Begräbnis von Sántiz Jiménez am 16. September weiter.

Unter dem Vorwand eines Grenzkonfliktes attackieren bewaffnete Gruppierungen aus Chenalhó seit Jahren ihre Nachbar:innen von Aldama, ohne dass die mexikanische Regierung der Straflosigkeit ein Ende bereitet. Mehrere Bemühungen, ein Friedensabkommen auszuhandeln, scheiterten bisher.

Verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft geben zu Bedenken, dass diese Gruppierungen aus den Strukturen der Paramilitärs aus den 1990er-Jahren hervorgingen, die zur Aufstandsbekämpfung unter den Fittichen der Militärs eingesetzt und nie entwaffnet oder zur Rechenschaft gezogen wurden. Heute widmen sich diese Banden auch anderen illegalen Geschäften wie Menschenschmuggel sowie Waffen- und Drogenhandel.

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