Mexiko: Aktivist gegen Staudammprojekt in Guerrero gewaltsam verschwunden

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Die Forderung an die Behörden, Vicente Suástegui aufzufinden und den Fall aufzuklären, kann auch per Eilaktion unterstützt werden
Die Forderung an die Behörden, Vicente Suástegui aufzufinden und den Fall aufzuklären, kann auch per Eilaktion unterstützt werden

Acapulco. Der soziale Aktivist Vicente Suástegui Muños ist am 5. August in Acapulco von bewaffneten Männern entführt worden. Die Tat geschah um 23 Uhr, als er von seiner Arbeit als Taxifahrer nach Hause in den Stadtteil Renacimiento fuhr, seither fehlt von ihm jede Spur.

Vicente und sein Bruder Marco Antonio Suástegui sind bekannte Anführer der sozialen Bewegung "Rat der Ejidos und Gemeinden gegen La Parota" (Cecop), die sich seit 18 Jahren erfolgreich gegen das Wasserkraftprojekt "La Parota" wehrt, welches die Bundesstaatliche Energiekommission CFE seit 2001 im ruralen Hinterland von Acapulco am Lauf des Flusses Papagayo plant. Die CFE besitzt gemäß Verfassung ein weitgehendes Monopol bei der Erzeugung und Versorgung mit Elektrizität.

Der Cecop, lokale Menschenrechtsorganisationen sowie das nationale Netzwerk "Alle Rechte für Alle" (Red TDT) fordern von den Behörden, Vicente Suástegui aufzufinden und den Fall aufzuklären, eine Forderung, die auch per Eilaktion unterstützt werden kann. Für Marco Antonio Suástegui ist das gewaltsame Verschwindenlassen seines Bruders Teil der Verfolgung der sozialen Aktivist:innen und der Verteidiger:innen der Umwelt. Bei einer Demonstration in Acapulco erinnerte er daran, dass Vicente erst am 12. Juli von einer Marine-Einheit der mexikanischen Armee bedroht wurde, die ohne Durchsuchungsbefehl angeblich nach Drogen in seinem Haus suchen wollte. Die Soldaten bedrohten ihn mit den Worten: "Wir haben dich im Auge. In deinem Dorf kannst du machen, was du willst, aber hier nicht." Ähnliche Drohungen sprachen Polizisten am 2. April dieses Jahres aus, wie die Menschenrechtsorganisation Tlachinollan berichtet.

Die Familie Suástegui zog in ein Außenviertel der Großstadt Acapulco, nachdem im Januar 2018 bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Staudammgegnern und Angehörigen der organisierten Kriminalität mehrere Menschen ermordet wurden. Beim anschließenden Polizeieinsatz erschossen Polizisten zwei Ratsmitglieder und verhafteten 25 von ihnen, darunter Marco Antonio und Vicente Suástegi, die eineinhalb Jahre in Haft waren.

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Der Cecop gab zudem bekannt, dass zwei seiner Mitglieder erschossen wurden: Ramiro Ventura Apolonio wurde am 3. August 2021 im Dorf Apanhuac getötet, der 75-jährige Isaías Elacio Palma am 15. März 2021 in Huamuchitos, ebenfalls im Territorium des Rates der Ejidos und Gemeinden gegen La Parota, das er seit einigen Jahren als Teil der indigenen Gemeindepolizei bewaffnet bewacht. Die Staudammgegner:innen machen die Bürgerwehr-Organisation UPOEG sowie die organisierte Kriminalität für die Morde verantwortlich.

Das Projekt La Parota, das auf Grund des Widerstands der Gemeinden seit 2006 gestoppt ist, hätte 17.000 Hektar, darunter auch Ackerland, geflutet. 75.000 Bauern wären davon betroffen gewesen und 25.000 Personen hätten umgesiedelt werden müssen. Der aktuelle mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador versprach zwar öffentlich, dass dieses Projekt nicht mehr realisiert werde, doch die CFE bestätigte dies bis heute nicht schriftlich.

Anfang August ernannte die Nationale Wasserkommission mit Humberto Marengo Mogollón einen der eifrigsten Promotoren dieses und anderer Wasserkraftprojekte zu ihrem technischen Direktor.

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