Berichte: Paramilitärs bedrohen und töten Protestierende in Kolumbien

paras.jpeg

Paramilitärs unterstützen laut Berichten die Polizei und das Militär bei der Niederschlagung der Proteste
Paramilitärs unterstützen laut Berichten die Polizei und das Militär bei der Niederschlagung der Proteste

Bogotá. Medien und Menschenrechtsorganisationen in Kolumbien berichten vermehrt über Aktivitäten paramilitärischer Gruppen während der laufenden Proteste. Während in Medellín Pamphlete auftauchten, die sich gegen die erste Linie (Primera Línea) bei den Protesten richten, zeigen Videoaufnahmen aus Cali bewaffnete Zivilisten, welche mit der Polizei zusammenarbeiten und mit (Maschinen-)Pistolen auf Protestierende schießen oder Stadtteile kontrollieren (amerika21 berichtete).

Auch in Kennedy, Bogotá, tauchten Graffitis und Pamphlete auf, die von den Schwarzen Adlern (Aguilas Negras), den Vereinigten Selbstverteidigungskräften Kolumbiens (AUC) oder den Gaitanistischen Selbstverteidigungskräften Kolumbiens (AGC) unterzeichnet sind und alle Menschen bedrohen, die die Proteste unterstützen.

In Pereira wurden Anfang Mai mindestens zwei Studierende durch Paramilitärs ermordet, genauere Hintergründe zu den Tätern sind unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass Angehörige der Kriminalpolizei (Sijin) dahinter stecken könnten.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

Die erste Linie aus Medellín, die explizit von der Gruppe "Das Büro von Envigado" (La Oficina de Envigado) bedroht wird, distanzierte sich von den ihr vorgeworfenen Akten der Zerstörung und machte Infiltrierte dafür verantwortlich.

Die Angst vor weiteren gewalttätigen Angriffen auf Protestierende ist, nicht nur in Medellin, groß. Die Menschenrechtsorganisation Gemeinschaftliches Netzwerk für Menschenrecht in Bogotá (REDHUS) alarmierte beispielsweise die internationale und nationale Gemeinschaft und forderte von der Regierung, die Sicherheit der Bevölkerung in den betroffenen Stadtteilen zu gewährleisten, sowie Umstände und Urheber der Drohungen zu ermitteln.

Nachdem 2006 unter der damaligen Regierung des ultrarechten Präsidenten Álvaro Uribes paramilitärische Gruppen in Kolumbien offiziell demobilisiert wurden, zeigen die aktuellen Vorkommnisse, wie präsent das Phänomen Paramilitarismus weiterhin ist.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr