Mexiko / Politik

Chiapas wählt wie gehabt

Kaum Überraschungen bei Regionalwahlen. Drei Tote am Tag des Urnengangs

manuel_velasco_coello.jpg

Der neue Gouverneur von Chiapas, Manuel Velasco Coello
Der neue Gouverneur von Chiapas, Manuel Velasco Coello

Tuxtla Gutiérrez, Mexiko. Parallel zu den Wahlen des Präsidenten, des Parlaments und des Senats ist in Mexiko am Sonntag auch in den Bundesstaaten gewählt worden. In Chiapas im Süden des Landes wurden 118 Landräte, die Abgeordneten des Regionalparlaments sowie ein neuer Gouverneur gewählt. Dabei erreichte der ehemalige Senator für die Grüne Ökologische Partei Mexikos (PVEM), Manuel Velasco Coello, laut Umfragen vom Wahltag mit 68 Prozent die Mehrheit der Stimmen. Er wird mit 32 Jahren der jüngste Gouverneur eines Bundesstaates in Mexiko und der erste aus den Reihen der PVEM sein. Diese war für die Gouverneurswahlen eine Allianz mit der alten Staatspartei der Institutionalisierten Revolution (PRI) und der Partei Neue Allianz (Panal) eingegangen.

An zweiter Stelle liegt den Umfragen zufolge María Elena Orantes López vom Wahlbündnis der moderat linken Partei der Demokratischen Revolution (PRD) mit der Partei der Arbeit (PT) und der "Bürgerbewegung" (MC). Sie erhielt 20 Prozent, gefolgt von Emmanuel Nivón González für die Partei der Nationalen Aktion (PAN) mit 11 Prozent. Die Kandidatin der lokalen Partei Stolz auf Chiapas (POCH), Marcela Bonilla Grajales, erreichte ein Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 60 Prozent. Ergebnisse zu den Wahlen für das chiapanekische Parlament lagen bisher noch nicht vor.

Der Ausgang der Gouverneurswahlen ist wenig überraschend. Velasco Coello, auch "Der Hellhäutige" (El Güero) genannt, war während seiner gesamten Zeit als Senator fast täglich mit wohlwollenden, höchstwahrscheinlich von ihm selbst bezahlten Artikeln in den lokalen Zeitungen präsent. Zudem hatte er die Unterstützung des derzeitigen Amtsinhabers, Juan Sabines Guerrero. Seine Wahlplakate waren in Chiapas denen der anderen Kandidaten in Anzahl und Verbreitung haushoch überlegen. Wahrscheinlich auch deswegen hat die zweitplatzierte López Orantes angekündigt, mit einer Stellungnahme bis zur Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses abzuwarten. Sie behält sich rechtliche Schritte wegen möglicher Verstöße des voraussichtlichen Siegers gegen die Wahlgesetze vor.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

Manuel Velasco hat in einer ersten Ansprache am Wahlabend erklärt, die anderen Parteien bei der Regierungsbildung mit einzubeziehen. Zudem sprach er davon, den autonomen "Räten der Guten Regierung" der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) gegenüber ein Verhältnis "mit viel Respekt" zu suchen. Weder die politisch-militärische Führung der EZLN noch die Räte der Guten Regierung hatten sich im Vorfeld zu den Gouverneurs- bzw. Präsidentschaftswahlen öffentlich geäußert. Nach Regierungsangaben konnten in den von der EZLN dominierten Gebieten die Wahlen ohne Probleme durchgeführt werden.

Die Wahlen in Chiapas verliefen insgesamt ruhig, jedoch nicht ohne Zwischenfälle. So wurden bei einer Schießerei in Rincón Chamula, Landkreis Pueblo Nuevo Solistahuacán, drei Männer erschossen. Der lokale Vertreter der Wahlallianz PRD-PT-MC machte Zeitungsangaben zufolge Anhänger der Koalition PRI-PVEM für die Schießerei verantwortlich. In San Juan Chamula erklärten Anhänger der Kandidatin der PRD für das Landratsamt in diesem Landkreis, Maria López, sie sei bei ihrer Abschlussveranstaltung am Freitag von Anhängern der PRI mit dem Tode bedroht worden.

In der Nacht zum Montag kam es in Mazatán an der Pazifikküste zu einem weiteren Zwischenfall. Nach Regierungsangaben brachen ca. 500 PRD-Anhänger in die lokalen Büros der chiapanekischen Wahlbehörde ein, um Wahlunterlagen zu entwenden und später zu verbrennen. Der Vorfall ereignete sich, als die Sympathisanten der PRD vom Vorsprung des Kandidaten der PRI bei den Landratswahlen erfuhren. Sie bezichtigten ihn des Stimmenkaufs und der Verteilung von Haushaltsutensilien im Rahmen seines Wahlkampfes.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr