Brasilien / Politik

Brasilien vor der Wahl: Lula knapp in Führung

Umfragen sehen Amtsinhaber im ersten Wahlgang mit vier Prozent Vorsprung. Sicherheit, hohe Preise und Arbeitszeit prägen die Wahlkampagnen

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    Luiz Inácio Lula da Silva bei einer Wahlkampfveranstaltung in São Bernardo do Campo
Luiz Inácio Lula da Silva bei einer Wahlkampfveranstaltung in São Paulo am 16. August 2026

Brasília. Wenige Tage vor den allgemeinen Wahlen liegt Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva (PT) im Rennen um die Präsidentschaft in der jüngsten Datafolha-Umfrage mit 40 Prozent vor Flávio Bolsonaro (PL) mit 36 Prozent. Die erste Wahlrunde findet am kommenden Sonntag statt. Kommt keiner der beiden Kandidaten auf über 50 Prozent der Stimmen, findet am 25. Oktober die Stichwahl statt. Außerdem werden am Sonntag die Kongressabgeordneten und Gouverneure und die Abgeordneten der Landesparlamente neu gewählt. 

Im Wahlkampf stehen vor allem öffentliche Sicherheit und wirtschaftliche Alltagssorgen im Mittelpunkt. In einer Mitte September erhobenen Umfrage von Quaest und Pax nannten 28 Prozent der Befragten Gewalt als größtes Problem des Landes, gefolgt von Korruption mit 22 Prozent. Eine weitere Umfrage zeigt, dass 49 Prozent öffentliche Sicherheit und Kriminalität zu ihren größten Sorgen zählen und 41 Prozent steigende Lebenshaltungskosten und Inflation. Für die aktuelle Regierung sind gerade diese beiden Bereiche Schwachpunkte: Laut Ipsos-Ipec bewerten jeweils 51 Prozent der Befragten ihre Arbeit bei Inflation und öffentlicher Sicherheit als schlecht oder sehr schlecht. 91 Prozent der Befragten sehen außerdem den Klimawandel als großes Problem und erwarten, dass die Kandidaten Vorschläge zur Bekämpfung des Klimawandels machen.

Lula setzt in seinem Programm unter anderem auf reale Mindestlohnerhöhungen und das Ende der Sechs-Tage-Woche durch eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnkürzung. Zudem soll das staatliche Programm Novo PAC zur Förderung von Infrastruktur und Wachstum fortgeführt werden. In der Sicherheitspolitik plant er ein eigenes Ministerium für öffentliche Sicherheit und eine stärkere Koordination zwischen Bund, Bundesstaaten und Kommunen.

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Flávio Bolsonaro setzt dagegen auf einen kleineren Staatsapparat und strengere Fiskalregeln. Er will mindestens zehn Ministerien abschaffen, Verwaltungsausgaben senken und das nationale Entstaatlichungsprogramm wieder aufnehmen. In der Arbeitsmarktpolitik setzt er auf flexible Arbeitszeiten und den Vorrang ausgehandelter Vereinbarungen gegenüber gesetzlichen Vorgaben.

In der Sicherheitspolitik will Bolsonaro kriminelle Gruppen wie PCC und Comando Vermelho als "narcoterroristische Organisationen" einstufen, die Strafmündigkeit von 18 auf 16 Jahre senken und fünf Hochsicherheitsgefängnisse nach dem Modell El Salvador errichten.

Für eine mögliche Stichwahl sieht Datafolha Lula mit 47 Prozent und Bolsonaro mit 45 Prozent innerhalb der Fehlermarge gleichauf. Zugleich ist die Ablehnung beider Kandidaten hoch: Jeweils 45 Prozent der Wahlberechtigten geben an, den jeweiligen Kandidaten unter keinen Umständen zu wählen.