Mexiko-Stadt. Nach einem tödlichen Angriff hat das indigene Dorf San Lorenzo Azqueltán zu landesweiten Unterstützungsaktionen in Mexiko aufgerufen. Marcos Aguilar Rojas, Agrarvorstand der indigenen Gemeinschaft im Bundesstaat Jalisco, war am 26. November erschossen worden. Bei dem Angriff wurde auch sein Bruder, Gabriel Aguilar Rojas, Delegierter des Nationalen Indigenen Kongresses (CNI), schwer verletzt. Das Attentat geschah, als Gabriel und Marcos versuchten, Vieh zurückzutreiben, das auf ein umstrittenes Grundstück der Gemeinde eingedrungen war.
Der CNI verurteilte "mit Empörung, Wut und tiefer Besorgnis" den Angriff, der sich auf einem kommunitären Landstück namens El Caracol ereignete. Lokale Machthaber und Bauern der Nachbardörfer wollten sich dieses aneignen. Die indigene Organisation wies darauf hin, dass der Agrarkonflikt aufgrund der fehlenden offiziellen Anerkennung der indigenen Gemeinschaft weiterhin ungelöst sei. Sie machte sowohl die Regierung von Jalisco als auch die mexikanische Zentralregierung für das "Klima der Straflosigkeit" verantwortlich.
Bei den Protestkundgebungen, unter anderem vor dem Innenministerium in Mexiko-Stadt, forderten verschiedene soziale Organisationen Gerechtigkeit für Marcos Aguilar Rojas. Vertreter von Azqueltán betonten, die autonome Gemeinschaft sei heute einer "extremen Gefahr" ausgesetzt. Die lokalen Machthaber und ihre Pistoleros patrouillierten ungestraft. Polizisten und Justizbeamte blockierten die Ermittlungen und vertuschten Verbrechen, so die indigenen Vertreter der 400-Seelen-Gemeinde. Das mexikanische Menschenrechtsnetzwerk Red TDT forderte in einem Eilbrief von den Behörden dringende Maßnahmen zum Schutz der Bewohner und des Territoriums von Azqueltán. Außerdem drängte das Menschenrechtsnetzwerk auf eine baldige juristische Anerkennung der Gemeinde.
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Solidarische Organisationen im Bundesstaat Jalisco wiesen anlässlich einer Mahnwache vor der Internationalen Buchmesse von Guadalajara (FIL) darauf hin, dass in diesem von der rechten Partei Movimiento Ciudadano regierten Bundesstaat innerhalb eines Jahres zehn Menschenrechtsaktivisten – fünf Frauen und fünf Männer – ermordet wurden. Davon waren sechs Verteidiger des Territoriums, drei gehörten Kollektiven von Angehörigen von Verschwundenen an und ein weiterer verteidigte die Rechte von Transsexuellen. "Alle Fälle befinden sich in völliger Straflosigkeit", warnten die 32 Nichtregierungsorganisationen, welche die Mahnwache im Bundesstaat organisierten.
Im Dorf San Lorenzo Azqueltán in der Gemeinde Villa Guerrero leben Familien der zwei indigenen Völker Tepehuana und Wixárika zusammen. Die Kultur beider nordmexikanischer Bergvölker ist stark von ihrer Spiritualität geprägt, die Elemente der Natur, Ahnenverehrung und der Verbindung zu den Sternen integriert. Gemeinsam kämpfen die Bewohner von Azqueltán für die Rückgabe von 45.000 von insgesamt 94.400 Hektar Territorium, das ihnen laut einem 1733 von der spanischen Krone erteilten Landtitel zusteht.


