Argentinien / Wirtschaft

Grünes Gold: Argentinien setzt auf Pistazien

Flächen in den Andenprovinzen legen stark zu. Günstiges Klima und wenig Luftfeuchte senken Risiken. Exporte zielen auf die Nordhalbkugel

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Die Nachfrage nach Pistazien könnte auch aufgrund dieser Delikatesse steigen: Dubai-Schokolade ist ein Trend
Die Nachfrage nach Pistazien könnte auch aufgrund dieser Delikatesse steigen: Dubai-Schokolade ist ein Trend

Buenos Aires. Laut Daten des Nationalen Instituts für Agrartechnologie ist der Anbau von Pistazien in Argentininen in den vergangenen fünf Jahren exponentiell auf rund 25.000 Hektar (etwas mehr als die Fläche der Stadt Frankfurt am Main) gewachsen. In einigen Regionen wurde die Anbaufläche um bis zu 500 Prozent ausgeweitet. Die Provinz San Juan stellt rund 90 Prozent der gesamten argentinischen Anbaufläche, danach folgen die Provinzen Mendoza, La Rioja und La Pampa.

In den halbtrockenen mittleren Regionen am Fuße der Anden bestehen günstige agroklimatische Bedingungen für Pistazien. Dort reduziert die Kombination aus fruchtbaren Böden, vielen Sonnenstunden und geringer Luftfeuchtigkeit die Produktionsrisiken und ermöglicht die Ernte von Früchten hoher Qualität. Die Pistazienpflanze braucht heiße, trockene Sommer und kühle Winter – und die Anbauer:innen Geduld, denn vom Einpflanzen bis zum ersten Fruchtansatz vergehen etwa sieben Jahre.

"Argentinien kann zweifellos zu einem bedeutenden Produzenten werden", sagte Alberto Aguilera, der in der Provinz San Juan für SolFrut tätig ist, mit mehr als 1.200 Hektar Anbaufläche einer der größten Produzenten. "Das Land verfügt über die nötigen Boden-, Wasser- und Klimabedingungen", so Aguilera.

Argentinien rangiert weit hinter den global führenden Pistazienproduzent:innen USA, Iran und Türkei, ist aber der einzige bedeutende Produzent in Südamerika. Das Land sieht großes Expansionspotenzial, vor allem als Exporteur für die Nordhalbkugel. Das 2023 gegründete Nationale Pistazienforschungsnetzwerk hat in den bisherigen Anbauprovinzen, aber auch in Catamarca, San Luís, Neuquén und Río Negro insgesamt 6,5 Mio Hektar Land mit günstigen Bedingungen für den Pistazienanbau identifiziert.

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Marktorientierte Erzeugergemeinschaften wie AgroFides wollen die Chancen nutzen und Investor:innen den Zugang zum Pistazienmarkt ermöglichen. Im Projekt La Memita sollen bis zu 100 Hektar große Anbauflächen nachhaltig entwickelt und bewirtschaftet werden. In jeder Einheit werden Tropfbewässerung und Brunnenwasser, Stromanschlüsse und Solarenergie sowie Infrastruktur wie Lagerhallen, Maschinen und Werkzeuge bereitgestellt.

AgroFides übernimmt das vollständige Management, von der Pflanzung bis zum Verkauf. Dabei sollen Kosteneffizienz und Ertrag maximiert sowie Risiken minimiert werden, um eine Rendite von rund 15 Prozent pro Jahr zu erreichen. Mittels eines Trusts kann den Erzeuger:innen eine proportionale Beteiligung an den Produktionsanlagen (Land, Bäume, Infrastruktur) gewährt werden.

AgroFides betont, dass Pistazien Kulturpflanzen mit langer Lebensdauer sind. Die Bäume können über ein halbes Jahrhundert lang Früchte tragen. Der Ertrag steigt kontinuierlich und ermöglicht nach acht Jahren eine Gewinnausschüttung. Das strukturelle Angebotsdefizit und ein stabiler Weltmarktpreis machen aus Pistazien eine attraktive Investitionsmöglichkeit. Ökonom:innen und Agronom:innen sprechen bereits von "grünem Gold".

Zudem haben sich auch die Argentinier:innen von der über die sozialen Medien gehypten mit Pistazien gefüllten Dubai-Schokolade anstecken lassen. So haben Firmen ihr Angebot an Dulce de Leche (Karamellcreme) und Alfajores, runde und oft gefüllte Schokokuchen, um viele Pistazien-Varianten erweitert.