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Indigene Gemeinschaften wehren sich gegen Bergbauprojekt in Chile

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Protest gegen den Bergbau in Arica am 18. Juni
Protest gegen den Bergbau in Arica am 18. Juni

Arica/Santiago. Am heutigen Donnerstag entscheidet die Umweltkommission der nördlichen Region Arica-Parinacota über die Zukunft des umstrittenen Explorationsprojekts "Champagne" der kanadischen Firma Andex Minerals. Der Bergbaukonzern will dort unter anderem Kupfer, Gold und Silber fördern. Die Aymara-Gemeinden von Putre und Camarones lehnen das Projekt entschieden ab und trugen ihren Unmut am 18. Juni in Arica auf die Straße. Neben Bedenken wegen der Folgen für die Wasserversorgung und die Biodiversität steht der Standort des Projekts am für die Aymara heiligen Berg Anocarire im Mittelpunkt der Kritik.

Die geologischen Explorationspläne sehen nach Angaben des Unternehmens zwölf Bohrungen und den Bau von Infrastruktur über einen Zeitraum von 28 Monaten auf dem 1,37 Hektar großen Gebiet vor. Drei bedeutende Quellgebiete für die Wasserversorgung der Region könnten dadurch beeinträchtigt werden. Gegen das Vorhaben von Andex Minerals regt sich seit Monaten von vielen Seiten Widerstand. Neben indigenen Gemeinschaften und Umweltorganisationen lehnen auch staatliche Stellen wie die Nationale Behörde für indigene Entwicklung (Conadi) und die Wasserbehörde (DGA) das Projekt in seiner derzeitigen Form ab. Bereits im Bürgerbeteiligungsverfahren, das im Februar 2025 endete, gingen Hunderte kritische Rückmeldungen bei den Behörden ein.

"Einmal mehr versuchen die Umweltbehörden, Projekte ohne die Zustimmung der indigenen Gemeinden zu genehmigen, ohne die Ablehnung der sozialen Organisationen und die Hunderte von Stellungnahmen von Bürgern und technischen Diensten wie Conadi, Conaf, DGA und den Gemeinden Putre und Camarones zu berücksichtigen, die die Mängel des Bergbauprojekts aufzeigen." Dies erklärten indigene Vertreter in einer öffentlichen Stellungnahme bei der Kundgebung am 18. Juni vor der Kathedrale San Marcos in Arica.

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Für zusätzliche Brisanz sorgen veröffentlichte Lobby-Treffen von Konzernvertretern mit dem zuständigen Umweltbewertungsdienst (Sea), über die Radio Ayni berichtete. Diese Kontakte wurden unter anderem von Marcelo Tokman vermittelt. Er war Energieminister unter der ehemaligen Präsidentin Michelle Bachelet und war Manager des staatlichen Ölunternehmens Enap.

Zudem erregt die juristische Vorgeschichte des Unternehmens beziehungsweise seiner Bergbauinitiativen weiterhin öffentliche Aufmerksamkeit. Die Firma wurde in der Vergangenheit bereits für illegale Wasserentnahme und die Zerstörung geschützter Natur sanktioniert. Auch das vorliegende Projekt wurde schon unter den Namen "Proyecto Anocarire" und "Proyecto Sofía" eingereicht – allerdings ohne Erfolg.

Für den heutigen Tag der Entscheidung über das Projekt ist weiterer Protest angekündigt. Die umstrittene Empfehlung des chilenischen Umweltbewertungsdienstes SEA dürfte der Debatte um das Vorhaben neuen Auftrieb geben und die Protestbewegung weiter stärken.