San José. In mehreren Städten Costa Ricas sind Tausende Menschen gegen die von Präsidentin Laura Fernández Delgado geplante Reform des Justizsystems auf die Straße gegangen. Bei einer sogenannten "Faroleada" (einer Laternenkundgebung am Vorabend des Unabhängigkeitstages am 15. September) versammelten sich am Montagabend Demonstrierende mit selbst gebastelten Laternen und Nationalflaggen im Parque Morazán in der Hauptstadt San José. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, forderten sie die Wahrung der Gewaltenteilung und die Unabhängigkeit der Justiz.
"Wir haben noch nie eine solche Situation erlebt", sagte eine pensionierte Richterin der Agentur. Eine derartige Einmischung einer Staatsgewalt in eine andere habe es bislang noch nicht gegeben. Ein weiterer Demonstrant forderte: "Wir müssen die Demokratie verteidigen, wir dürfen nicht zulassen, dass diese Regierung so weitermacht wie bisher."
Fernández, die seit Mai 2026 im Amt ist, will den Justizhaushalt kürzen und eine Justizreform vorantreiben. Richter:innen hatte sie zuvor als "Putschisten" bezeichnet und dem Justizsystem Untätigkeit im Kampf gegen Gewalt durch organisiertes Verbrechen vorgeworfen. Ein im August von der Regierungspartei ins Parlament eingebrachtes Reformpaket sieht unter anderem folgende Eckpunkte vor: die alleinige Ernennung der Magistrados, also Mitglieder der obersten Gerichte, durch die Legislative statt wie bisher unter Beteiligung des Obersten Gerichtshofs, die Übertragung von Verwaltungs-, Disziplinar- und Haushaltsbefugnissen der Magistrados an den Verwaltungsrat der Justiz sowie eine Ausweitung der Auslieferungsgründe costa-ricanischer Staatsangehöriger.
Zeitgleich zu den Demonstrationen kam Fernández' Regierung in der an San José grenzenden Stadt Cartago zu ihrer traditionellen Sitzung zu den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten zusammen, wie die Zeitung La Nación berichtete. Gegner:innen der Regierung wurden von der Plaza Mayor ferngehalten. Demnach gab es vereinzelt Zusammenstöße zwischen Regierungsanhänger:innen und Demonstrierenden.
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Kurz vor den Protesten hatte Fernández in einer Fernsehansprache angekündigt, die ursprünglich geplante Kürzung des Justizhaushaltes von 27 auf elf Milliarden Colones (rund 21,4 Millionen Euro) zu reduzieren. Die Freigabe der Mittel soll aber an Auflagen von Rechnungshof und Parlament geknüpft werden. "Ich werde nicht ihr Sündenbock sein", sagte sie mit Blick auf die Justiz.
Der Politikwissenschaftler Sergio Araya ordnete den Konflikt im Gespräch mit dem Sender France24 ein. Es handle sich letztlich um unterschiedliche Bewertungen der Gewalten. Die Regierung begründet die Reform mit der steigenden Mordrate und dem Vordringen organisierter Kriminalität. Dagegen gehe die Justiz davon aus, dass die Exekutive unter dem Deckmantel notwendiger Reformen in Wahrheit ihre eigene Macht ausweiten und die klassische Gewaltenteilung des demokratischen Systems aushöhlen wolle.
Lange galt Costa Rica als Stabilitätsanker und demokratischer Hoffnungspfeiler in Mittelamerika. Doch in den vergangenen Jahren wuchs die Kriminalität, die Mordrate stieg laut der Deutschen Welle 2025 auf 17 Fälle pro 100.000 Einwohner:innen, im Vergleich zu 11,2 im Jahr 2019. Laut AFP entwickelte sich Costa Rica "zu einem logistischen Knotenpunkt im regionalen Drogenhandel", mit lokalen Revierkämpfen der Kartelle als Folge. Vor ihrem Amtsantritt hatte Fernández angekündigt, sich in der Sicherheitspolitik teilweise am harten Kurs des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele orientieren zu wollen und Aspekte seines Sicherheitsmodells zu übernehmen.

