Anhaltende Proteste gegen Bergbauprojekte in Argentinien

argentina_la_rioja_mineria.jpg

Proteste in La Rioja: "Nein zum Uranabbau"
Proteste in La Rioja: "Nein zum Uranabbau"

La Rioja. Anrainer:innen und Umweltschützer:innen halten seit zwei Monaten die Blockade einer Provinzstraße in der nordwestlichen Andenprovinz La Rioja aufrecht. Damit protestieren sie gegen den geplanten Uranabbau in der Region. Das hauptsächlich von kleinbäuerlichen Familien bewohnte Gebiet weist eine besondere Biodiversität auf und wird in letzter Zeit langsam touristisch erschlossen. Die Protestierenden fürchten die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage durch die vom Bergbau verursachte Umweltverschmutzung.

Das von der Nationalen Kommission für Atomenergie (CNEA) in Kooperation mit der Provinzregierung vorangetriebene Projekt sieht die Gewinnung von radioaktivem Uran auf einer knapp 1.000 Hektar großen Fläche in der Hügellandschaft nahe des Ortes El Duraznillo etwa 20 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt vor. Die Verwendung von Sprengmitteln und toxischen Substanzen, welche nötig ist, um das Uran wie geplant im Tagebau zu gewinnen, könnte die Verseuchung des Trinkwassers in der trockenen Region zur Folge haben.

Bereits Mitte November blockierten Anrainer:innen erstmals die Provinzstraße Nr. 3 und verhinderten so die Zufahrt von Fahrzeugen der CNEA zur Sondierung der Abbauzone. In der nahegelegenen Ortschaft El Duraznillo finden seither Protestveranstaltungen statt. "Mit der nach wie vor aufrechterhaltenen Blockade bekräftigen wir die Verteidigung unseres Rechts auf Leben, auf gemeinschaftliche Güter wie Trinkwasser, auf Produktion und auf eine gesunde Umwelt für die zukünftigen Generationen", heißt es in einem öffentlichen Kommuniqué der Aktivist:innen.

Sie verweisen darauf, dass Bergbauprojekte, die ohne Zustimmung der unmittelbar davon betroffenen Bevölkerung durchgeführt werden, nach argentinischem Recht illegal seien. Tatsächlich sieht das Allgemeine Gesetz zum Schutz der Umwelt die Einbindung der Zivilgesellschaft in Projekte vor, welche Umweltfragen betreffen. Die Bestimmungen sind jedoch so vage gehalten, dass ein konkreter Rechtsanspruch daraus nur schwer abzuleiten ist. Journalist Américo Schvartzman betont jedoch, dass sich Argentinien in mehreren internationalen Abkommen zur Miteinbeziehung der Zivilgesellschaft verpflichtet hat.

Erste Pläne für den Uranabbau zwischen der CNEA und der Provinzregierung in La Rioja gehen bis ins Jahr 2008 zurück. Proteste der Bevölkerung führten dazu, dass 2012 der Abbau radioaktiver Materialien mittels einer kommunalen Verordnung verboten wurde. Diese wurde nach Einspruch der CNEA jedoch 2017 gerichtlich aufgehoben und als verfassungswidrig erklärt.

Proteste gegen geplante Bergbauaktivitäten formieren sich derzeit auch in dem weiter im Nordwesten von La Rioja gelegenen Landkreis Vinchina. Dort plant das australische Unternehmen Pathfinder Resources den Abbau von Gold und Kobalt. Evelyn Barrera von der Vereinigung Asamblea de Autoconvocados de Vinchina schätzt die Lage so ein: "Dort entspringt der Fluss Valle Hermoso, der den gesamten Landkreis mit Wasser versorgt. Deshalb sind wir in Alarmbereitschaft. Wir wollen nicht, dass die großen Bergbauunternehmen in unser Territorium eindringen, weder in La Rioja noch im restlichen Argentinien. Wir verteidigen das Wasser und damit das Leben. Wir kämpfen gegen diese Monster an, die unsere Reichtümer, unsere Biodiversität und unsere Bevölkerung zerstören wollen."

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr