Cepal, Weltbank und IWF: "Große Sorge" über Folgen von Corona in Lateinamerika

Extreme Armut steigt rasant. Empfehlung an Staaten, Steuereinnahmen zu erhöhen und Steuerflucht zu bekämpfen

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53 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas arbeiten im informellen Sektor und sind von Maßnahmen wie Ausgangssperren besonders hart getroffen
53 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikas arbeiten im informellen Sektor und sind von Maßnahmen wie Ausgangssperren besonders hart getroffen

Washington. Die Corona-Pandemie wird in Lateinamerika laut Prognosen internationaler Organisationen gravierende Auswirkungen haben. Insbesondere der Anstieg der "extremen Armut", aber auch das bedrohlich ansteigende Schuldeniveau vieler Länder der Region lassen befürchten, dass die sozialen Folgen der Corona-Pandemie in der kommenden Zeit verheerend sein werden.

Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) veröffentlichte in dieser Woche einen Bericht, der die Zunahme der Arbeitslosigkeit seit Beginn der Pandemie genauso analysiert wie die fehlenden Steuereinnahmen und den allgemeinen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die Folgen sind laut Cepal besorgniserregend. Die Kommission erwartet die "schwerste Wirtschaftskrise" in der Region seit einem Jahrhundert. Die Wirtschaftsleistung könnte im Jahr 2020 um 9,1 Prozent und damit auf das Niveau des Jahres 2010 zurückgehen. Damit einhergehend werden die soziale Ungleichheit, die Armut und die Arbeitslosigkeit stark zunehmen. Die Chefin der Cepal, Alicia Bárcena, erwartet keine Erholung der Lage im kommenden Jahr, "und auch wahrscheinlich nicht 2022 und nicht 2023".

Die UN-Kommission empfiehlt aus diesem Grund die "Stärkung der öffentlichen Einnahmen", insbesondere durch eine Erhöhung der Steuern und die Eindämmung von Steuerflucht. Außerdem sei eine angemessene Regulierung der Kapitalströme und die Beibehaltung der expansiven Geldpolitik notwendig. Dafür sei auch die Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit äußerst wichtig.

Auch die Weltbank blickt mit großer Sorge auf Lateinamerika. Man rechne weltweit mit etwa 115 Millionen Menschen, die aufgrund der durch Covid-19 verursachten Krise in extreme Armut fallen könnten, knapp 30 Millionen davon in Lateinamerika. Nachdem die Rate der extremen Armut in den letzten 25 Jahren kontinuierlich abgenommen habe, steige sie nun so stark an wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung der entsprechenden Daten durch die Weltbank.

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Deren Präsident, David Malpass, äußerte zu Beginn der Woche, es sei zudem "offensichtlich", dass die Länder der Region die aufgenommen Schulden nicht zurückzahlen werden können. Der einzige Weg sei daher, "den Schuldenstand zu verringern". Man könne dies als "Schuldenerlass oder Stornierung bezeichnen", so Malpass. Er kritisierte zudem, dass staatliche Hilfen wie geld- und fiskalpolitische Maßnahmen vor allem den oberen Einkommensschichten zugutekämen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wandte sich zuletzt, wie am Beispiel Argentiniens zu sehen, vom Mantra ab, einzig Strukturanpassungen in Form von Einsparungen staatlicher Ausgaben könnten mittelfristig Erfolg versprechen. In seinem halbjährlichen "Steuermonitoring" erklärte der IWF nun, staatliche Investitionen seien "essentiell".

Vor den in diesen Tagen stattfindenden Verhandlungen mit Argentinien wegen der unmöglichen Rückzahlung des erteilten Rekordkredits und der extremen Schuldenhöhe sagte die IWF-Direktorin, Kristalina Georgieva, man sei nicht nach Argentinien gekommen, um weitere Einsparungen der staatlichen Ausgaben zu fordern. Nur mit einer Erhöhung der Ausgaben könne die Wirtschaft in der momentanen Krise wiederbelebt und Arbeitsplätze geschaffen werden.

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