"Letztes Angebot" von Argentinien an Gläubiger, aber BlackRock ziert sich

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Präsident Fernández (links) und Wirtschaftsminister Guzmán brüteten zuletzt über dem finalen Angebot von Argentinien an die Gläubiger
Präsident Fernández (links) und Wirtschaftsminister Guzmán brüteten zuletzt über dem finalen Angebot von Argentinien an die Gläubiger

Buenos Aires. Das Ringen Argentiniens mit seinen Gläubigern um die Vermeidung eines Zahlungsausfalls ist in diesen Tagen wohl in die abschließende Runde gegangen. Am Montag hatte die Regierung um Präsident Alberto Fernández und Wirtschaftsminister Martín Guzmán ein "letztes Angebot" an die verschiedenen Gläubiger gerichtet. Das Angebot wurde an die Börsenaufsichtsbehörde in den USA (SEC) übergeben und sieht vor, 53,3 US-Dollar pro 100 US-Dollar der Schulden zurückzuzahlen, die während der Regierungsjahre von Mauricio Macri (2015-2019) aufgenommen wurden. Außerdem sollen 59,5 US-Dollar für die noch ausstehenden Anleihen aus den Umschuldungen von 2005 und 2010 gezahlt werden.

Die argentinische Regierung sei laut eigener Aussage mit diesem Angebot ans Limit dessen gegangen, was sich der Staat maximal leisten könne, um nicht komplett zahlungsausfällig zu werden. Das nun eingereichte Angebot ist bis zum 4. August gültig. Bis dahin muss eine Einigung erzielt werden. Jedoch könnte es auch deutlich schneller zu einer Einigung kommen, wie Experten im Laufe der Woche spekulierten. Die Gruppe der privaten Gläubiger argentinischer Staatsschulden (ACC), in der etwa 30 Fonds und Investmentgruppen zusammengeschlossen sind, hatte schon vor dem Angebot der Regierung erklärt, sich mit rund 54 Prozent und damit ziemlich genau mit der nun angebotenen Summe zufrieden geben zu wollen.

Am Mittwoch lehnten dann aber die beiden schwergewichtigen Gläubigergruppen, die Ad Hoc Argentine Bondholder Group und die Exchange Bondholder Group, die zusammen rund ein Drittel der Gesamtschulden im Wert von etwa 65 Milliarden US-Dollar halten, das argentinische Angebot zunächst ab. Zur Ad Hoc Argentine Bondholder Group gehören unter anderem die Vermögensverwalter und Investmentfonds BlackRock, Ashmore und Fidelity. Wirtschaftsminister Guzmán erinnerte nach der Ablehnung nochmals umgehend daran, dass man schon "ganz klar die größten Anstrengungen" unternommen habe, weiter könne sich Argentinien nicht mehr strecken.

Das letzte Wort scheint aber wahrscheinlich noch nicht gesprochen. Zunächst hieß es am Mittwoch von Seiten der Gläubigergruppe, das Angebot sei ein "konstruktiver Kompromiss". Am gestrigen Donnerstag berichtete die Agentur Reuters dann aus dem Umfeld der Ad Hoc Bondholder Group, man könne sich dort vorstellen, Argentinien doch noch ein Stück entgegenzukommen. Jedoch müsste sich auch das Angebot noch etwas verbessern.

Nicht ganz einverstanden mit einer Übereinkunft zu den momentan auf dem Tisch liegenden Bedingungen der argentinischen Regierung scheint man vor allem bei BlackRock zu sein. Beim weltweit größten Finanzverwalter, der ein Vermögen von rund 7,5 Billionen US-Dollar verwaltet, zeigte man sich "genervt und müde vom Verhandlungsstil" von Wirtschaftsminister Guzmán. BlackRock verwies auf den Fall Ecuador. Dort hatte man mit einigen Gläubigern zu Beginn dieser Woche eine Vereinbarung über eine Umschuldung von rund 16 Milliarden US-Dollar getroffen.

Positiv zu dem Angebot der argentinischen Regierung äußerte sich der Internationale Währungsfonds (IWF). Bereits in den letzten Monaten und bei den vorherigen Angeboten an die Gläubiger lobte der IWF das besonnene und vernünftige Vorgehen Argentiniens in den Verhandlungen. Nun erklärte IWF-Sprecher Gerry Rice, dass das abgegebene Angebot "ein wichtiger Schritt" gewesen sei, und er hoffe, dass es zu einem "nachhaltigen Weg" in Richtung wirtschaftlichen Wachstums komme.

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