Kolumbianische Landbewegung will Selbstregierung

15.000 Teilnehmer auf nationalem Kongress der kolumbianischen Landbewegungen beschließen Wege zur Selbstregierung

Cali. Kolumbianische Landbewegungen haben beim "Nationalen Kongress zum Recht auf Land, Territorium und Souveränität" konkrete Schritte zur Einführung von Selbstregierungen auf kommunaler Ebene beschlossen. Wie es in der Abschlusserklärung der rund 15.000 Teilnehmer heißt, sei man zu der Einsicht gelangt, dass "der fortbestehende bewaffnete Großgrundbesitz, die Geiselnahme des Landes durch Paramilitarismus und Mafia und der Unwille der Regierungen des Landes diese Wurzeln der Ungerechtigkeit anzugehen, die Durchsetzung des Rechts für die einfache Bevölkerung innerhalb des institutionellen Rahmens unmöglich macht."

Die Teilnehmer des Kongresses beschlossen deshalb "über die politische Oppositionsarbeit hinaus, aus unserer Initiative und unseren Mustern der Gemeinden eigene Regierungen zu errichten, die neben dem Druck auf die institutionalisierten Regierungen zur Umsetzung der Menschenrechte in der Lage sind das Leben und das Territorium auf dem wir leben neu zu ordnen". Als Teil dieser neuen kommunalen Ordnung wurde auf der Konferenz über Beispiele der erfolgreichen Integration regionaler Ökonomien als Gegenmodell zur Weltmarktorientierung diskutiert. Als direkte Maßnahmen wurde der generelle Verzicht auf den Anbau transgenetischer Pflanzenarten und der Widerstand gegen die Ausbreitung von Pflanzen zur Gewinnung von Agrokraftstoffen beschlossen. "Ziel ist der Aufbau einer eigenen Wirtschaft, nicht dem globalen Markt unterworfen, sondern unseren eigenen Bedürfnissen, die unsere Souveränität und Autonomie der Lebensmittelversorgung garantiert und dem damit verbundenen Wissen um Saatgut, Pflanzen und Ernährung."

Unter den 15.000 Vertretern Sozialer Bewegungen die zwischen dem 30. September und 4. Oktober in Cali tagten, befanden sich mehrheitlich Organisationen indigener und afrokolumbianischer Gemeinden. Neben Landarbeitergewerkschaften unterstützten auch Studierendenorganisationen, Opferverbände des kolumbianischen Konflikts und die kolumbianische Linkspartei Polo Democrático die Konferenz.

Neben konkreten Schritten zur kommunalen Selbstregierung standen mit neuen Formen des "Extraktivismus", dem Recht auf Wasser, und der Zuspitzung der Konzentration von Landbesitz in urbanen Räumen weitere Themen auf der Agenda der Konferenz. Dabei wurde massive Kritik an der Bergbaupolitik der Regierungen Santos und Uribe geübt. Diese hätten das "Land in eine Tagebauwüste verwandelt", heißt es in der Abschlusserklärung der Konferenz. 200 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zusammen mit Seen, Flüssen und Wäldern seien dabei unter der „angeblichen Lokomotive des Fortschritts” von nationalen und internationalen Bergbaukonzernen angeeignet und ökologisch verwüstet worden. In den Beschlüssen des Kongresses fordern die sozialen Bewegungen deshalb neben dem Verbot des Tagebergwerks die sofortige Ausweisung der Bergbauunternehmen und Reparationszahlungen an die geschädigten Gemeinden. Auch gegen die von den Regierungen des Landes vorangetriebene Privatisierung der Wasserressourcen kündigten die Teilnehmer des Kongresses massiven Widerstand an.

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