Valparaíso/Berlin et al. Chile hat als einziges Land Lateinamerikas bereits am 7. Mai den Erdüberlastungstag erreicht. Damit wären die weltweiten Ressourcen aufgebracht, wenn alle Menschen den gleichen Verbrauch hätten wie die Chilenen. Aus diesem Anlass haben Mitglieder der Organisation Escazú Ahora eine Protestaktion in Valparaíso durchgeführt: Mit einem 13 Meter großen Banner mit dem Slogan "Die Zeit ist um" ("Se acabó el tiempo") machten die Aktivisten auf die übermäßige Nutzung von Ressourcen aufmerksam. Mitorganisator Joaquín Salinas erklärte gegenüber den Medien: "Es ist inakzeptabel, dass diese und zukünftige Generationen nicht das Recht haben, in einer gesunden Umwelt zu leben. Doch es ist ebenso inakzeptabel, dass diejenigen, die die Natur schützen, allein deshalb Risiken eingehen, denn Umweltschutz sollte nicht gefährlich sein". Damit spielte er auf die jüngsten Angriffe gegen Umweltschützer an. Nach Angaben der Organisation war 2025 in Chile das Land mit den meisten Aggressionen gegen Umweltschützer seit Erhebung der Daten.
Deutschland erreichte nun am 10. Mai den länderspezifischen Erdüberlastungstag. Die von der Denkfabrik Global Footprint Network veröffentlichten Statistiken zeigen ein Bild der globalen Ungleichheit: Während die Länder Europas und des globalen Nordens den jeweiligen Überlastungstag bereits in der ersten Jahreshälfte erreichen, liegen die Tage für fast alle Länder Lateinamerikas weit in der zweiten Jahreshälfte: Peru erreicht seinen Überlastungstag am 12. August, Brasilien am 12. August, und Ecuador sogar erst am 12. November.
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Zur Berechnung des Erdüberlastungstags legen die Macher des Index die globale jährliche Biokapazität an natürlichen Ressourcen, die pro Person zur Verfügung steht, zugrunde und vergleichen diese mit dem Pro-Kopf-Verbrauch in den jeweiligen Ländern. Für das Beispiel Deutschlands erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass die Nutzung fossiler Energien in der energieintensiven Industrie, dem Gebäudesektor, dem Straßenverkehr und der industriellen Tierhaltung für den Überverbrauch verantwortlich ist.
Das Bild der globalen Ungleichheit in der Extraktion und dem Verbrauch der globalen Ressourcen verstärkt sich in Anbetracht der ebenfalls veröffentlichten Defizittage, welcher auf die regional verfügbaren Ressourcen schaut, statt eine globale Hochrechnung zu betreiben. So wird der länderspezifische Verbrauch hier nur mit den im jeweiligen Land verfügbaren Ressourcen verglichen. Große Teile Lateinamerikas, insbesondere jene Länder die reich an Bioressourcen sind, wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Peru, erreichen niemals ihr Landesdefizit. In anderen Worten: Diese Länder verbrauchen weniger Bioressourcen, als im eigenen Land zu finden sind. Im Vergleich schießen Länder wie Deutschland, Großbritannien oder Spanien bereits in der ersten Jahreshälfte über die eigenen Ressourcen hinaus und verbrauchen so die Ressourcen anderer Länder. Gegenüber der Tagesschau erklärte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt: "Unser aktueller Lebens- und Wirtschaftsstil ist nicht zukunftsfähig".

