Guayaquil. Inmitten anhaltender Gewalt setzt Ecuadors Präsident Daniel Noboa verstärkt auf die USA. Mitte April empfing Noboa den DEA-Chef Terry Cole sowie den US-Generalkonsul Lawrence Petroni in Guayaquil. An dem Treffen nahmen auch Ecuadors Innenminister John Reimberg sowie Spitzenvertreter von Militär und Polizei teil. Offizielles Ziel ist eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen das transnationale organisierte Verbrechen. Laut US-Botschaft soll die Kooperation die ecuadorianischen Sicherheitskräfte stärken. Ecuadors Regierung betont, dass man "konkrete Ergebnisse" im Kampf gegen die Kartelle erwarte.
Seit Januar 2024 operiert Ecuador unter dem Dekret eines "internen bewaffneten Konflikts". Diese juristische Einstufung transformiert die Sicherheitslogik des Landes grundlegend: 22 kriminelle Gruppen wurden per Präsidialdekret als "terroristische Organisationen" und "nichtstaatliche Kriegsparteien" definiert. Dies erlaubt den Einsatz der Streitkräfte im Inneren und die Anwendung des Kriegsvölkerrechts gegen zivile Gruppen. Trotz zwischenzeitlichem Rückgang der Gewaltdelikte wurde für das Jahr 2025 mit über 9.000 Tötungsdelikten der höchste Wert seit Beginn der Erfassung vermeldet. Noboa betont indessen seine Strategie der Militarisierung, inklusive US-Truppenpräsenz: Die Zahl der Tötungsdelikte sei im ersten Quartal 2026 um 14 Prozent zurückgegangen.
Über den Tellerrand schauen?
Mit Ihrer Spende können wir Ihnen täglich das Geschehen in Lateinamerika näher bringen.
Analysten wie Luis Córdova von der Universidad Central warnen, Ecuador werde zur Schachfigur im geopolitischen Schachbrett der USA. Im November 2025 lehnte die Bevölkerung in einem Referendum die Errichtung ausländischer Militärbasen ab (amerika21 berichtete). Dennoch treibt Noboa die Einbindung des US-Militärs voran.
Zudem wird von schweren Menschenrechtsverletzungen berichtet. So wird derzeit ein gemeinsamer Einsatz an der Nordgrenze im März 2026 untersucht. Während die Regierung von einem Schlag gegen Drogenlabore spricht, gibt es Indizien dafür, dass ein Milchbauernhof getroffen wurde.

