Lima. In Peru haben die Wahllokale nach einem weitgehend ruhigen Wahltag geschlossen. Nach ersten Hochrechnungen der Präsidentschaftswahl zeichnet sich eine Stichwahl ab. Mehrere Kandidat:innen liegen dicht beieinander, wobei bislang Keiko Fujimori von der rechten Partei Fuerza Popular mit rund 15 bis 17 Prozent leicht vorne gesehen wird. Knapp dahinter folgt Rafael López Aliaga von der rechtskonservativen Renovación Popular mit etwa 14 bis 16 Prozent. Auch der parteiunabhängige Kandidat Carlos Álvarez liegt mit ungefähr zwölf bis 14 Prozent in Schlagdistanz. Mehrere weitere Bewerber:innen erreichen derzeit zwischen acht und zwölf Prozent.
Damit bekommt keiner der Kandidat:innen annähernd die erforderliche absolute Mehrheit von 50 Prozent, sodass die Stichwahl im 07. Juni als sicher gilt. Besonders offen ist derzeit noch, wer den zweiten Platz erreicht und damit in die entscheidende Runde einzieht, da die Abstände im Spitzenfeld nur wenige Prozentpunkte betragen. Beobachter:innen rechnen damit, dass sich das Bild mit fortschreitender Auszählung insbesondere durch Stimmen aus ländlichen Regionen noch verschieben kann. Mit belastbaren Ergebnissen wird im Laufe der Nacht gerechnet.
Die Abstimmung fand in einem politisch angespannten Umfeld statt. Mehr als 30 Kandidat:innen traten zur Präsidentschaftswahl an, was die tiefe Fragmentierung des politischen Systems widerspiegelt. Größere Ausschreitungen oder Gewalt wurden am Wahltag zunächst nicht gemeldet, allerdings kam es vereinzelt zu organisatorischen Problemen und Verzögerungen bei der Stimmabgabe. Im Zentrum des Wahlkampfs standen vor allem die Themen Kriminalität, Korruption und die anhaltende politische Instabilität des Landes, das in den vergangenen Jahren zehn Jahren neun Präsidentenwechsel erlebt hat.
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Auch bei der Parlamentswahl zeichnet sich nach ersten Hochrechnungen ein stark fragmentiertes Ergebnis ab. Die 130 Sitze des Kongresses verteilen sich erneut auf zahlreiche Parteien, ohne dass eine politische Kraft eine klare Mehrheit erreicht. Nach den bisherigen Teilauszählungen wird die rechtsgerichtete Partei von Fujimori, Fuerza Popular, voraussichtlich zur stärksten Einzelkraft im Parlament, mit einem geschätzten Ergebnis im Bereich von etwa 20 bis 30 Sitzen. Ebenfalls deutlich vertreten ist die rechtskonservative Renovación Popular um Rafael López Aliaga, die auf ungefähr 15 bis 25 Mandate kommt.
Daneben verteilen sich weitere Sitze auf mehrere kleinere konservative, liberale und zentristische Parteien, die jeweils nur Sitzanteile im unteren zweistelligen oder einstelligen Bereich erreichen. Das linke politische Lager bleibt insgesamt ebenfalls im Parlament vertreten, ist jedoch stark zersplittert und erreicht voraussichtlich zusammen etwa 30 bis 40 Sitze, ohne dass eine einzelne linke Partei eine dominierende Rolle einnimmt. Insgesamt bestätigt sich damit das Bild einer hoch-fragmentierten Legislative, in der keine Partei annähernd die für eine Mehrheit erforderlichen 66 Sitze erreicht.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt im Vorfeld auch ein prominenter Name im Wählerregister: Papst León XIV erscheint weiterhin im peruanischen Wählerregister mit einem zugewiesenen Wahllokal in Chiclayo, eine Küstenstadt im Nordosten Perus, wo er mehrere Jahre als Bischof tätig war. Unter seinem bürgerlichen Namen Robert Prevost ist er dort als wahlberechtigt geführt. Erst kürzlich ließ Prevost seinen peruanischen Personalausweis aktualisieren. Dazu empfing er im Vatikan Mitarbeitende des Registro Nacional de Identificación y Estado Civil (RENIEC), die seine neuen Adressdaten sowie ein aktuelles Foto aufnahmen. Der aktuelle Papst wurde in Chicago geboren und 1982 zum Priester geweiht. Zwischen 2014 und 2023 wirkte er als Bischof von Chiclayo.

