Bogota. Mit dem Ausschluss des Präsidentschaftskandidaten Iván Cepeda, Senator der Regierungspartei Pacto Histórico (PH), hat der Nationale Wahlrat Kolumbiens (CNE) eine Spaltung des progressiven Lagers erzwungen. Cepeda, der durch seinen absehbaren Sieg der Kandidat einer geeinten kolumbianischen Linken geworden wäre, steht damit nur noch die direkte Teilnahme am ersten Wahlgang am 31. Mai offen.
Linke Politiker üben scharfe Kritik. Präsident Gustavo Petro bezeichnete die Entscheidung als "antidemokratisch". Innenminister Juan Fernando Cristo ruft zur Abschaffung der Kommission auf und zieht seine Kandidatur gemeinsam mit weiteren Teilnehmern zurück. Der Liberale Roy Barreras, der einem Bündnis linker Parteien außerhalb der Regierung vorsteht, spricht von gezielter Spaltung der Bewegung.
Nach dem Zusammenschluss des PH hatte Cepeda die internen Wahlen am 26. Oktober gewonnen. Aus dem früheren Wahlbündnis sollte durch die Fusion seiner fünf Parteien eine neue Bewegung entstehen. Der Vorgang war zum Zeitpunkt der Wahl aber formal nicht abgeschlossen, unter anderem, da der CNE zwei Parteien, darunter Petros Partei Colombia Humana, den Zusammenschluss untersagte.
Der Wahlrat argumentiert daher, dass es sich nicht um eine interne, sondern parteiübergreifende Vorwahl gehandelt hatte. Das kolumbianische Wahlrecht verbietet mehrfache parteiübergreifende Wahlen. Cepeda kündigte an, den Beschluss nicht anzufechten, sondern Strafanzeige gegen den Vorsitzenden, Álvaro Prada, sowie Beisitzer Hollman Ibáñez wegen fehlender Befangenheitserklärungen und Rechtsbeugung zu stellen.
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Ibáñez ist kein ständiges Mitglied des CNE und wurde als Beisitzer für die Beschlusserfassung einberufen. Er arbeitete für den Kandidaten der extremen Rechten, Abelardo de la Espriella, und hatte in der Vergangenheit seine grundsätzliche Ablehnung des PH zum Ausdruck gebracht. Seine Personalie sei nicht mit dem Anspruch der Unparteilichkeit des CNE vereinbar, so Cepeda.
Gegen Prada hatte Cepeda bereits im Vorfeld mehrere Klagen wegen Verleumdung, schwerer Beleidigung und Belästigung eingereicht. Hintergrund der Feindschaft zwischen beiden sind die Prozesse gegen Álvaro Uribe. Cepeda hatte die Verbindungen der Familie des Expräsidenten zu Paramilitärs und außergerichtlichen Hinrichtungen durch staatliche Sicherheitskräfte maßgeblich aufgearbeitet und vor Gericht gebracht.
Prada, der versucht hatte, belastende Aussagen gegen Uribe durch Zeugenbestechung zu unterbinden und Cepeda zu diskreditieren, wird als Komplize geführt. Sein Prozess begann eine Woche nach der Entscheidung des CNE, am 12. Februar.
Derzeit führt Cepeda die meisten Umfragen an, gefolgt von de la Espriella. Beide Kandidaten vereinen in den Umfragen zwischen 50 und 70 Prozent auf sich und werden voraussichtlich in die Stichwahl am 21. Juni einziehen.


