Kolumbien / Militär / Politik

Kolumbien investiert massiv in Luftraumaufrüstung

Anti-Drohnen-Schutzschild löst Debatte über landesweite Wirksamkeit und Kosten aus

mindefensa_pedro_sanchez.png

Pedro Sánchez (am Tischkopf) Verteidigungsminister der Regierung Petro
Pedro Sánchez (am Tischkopf) Verteidigungsminister der Regierung Petro

Bogotá. Pedro Sánchez, Verteidigungsminister von Kolumbien, hat ein Projekt zu einem nationalen Anti-Drohnen-Schutzschild vorgestellt. Nach Angaben des Ministeriums soll die Initiative soll umgerechnet etwa 1,68 Milliarden US-Dollar kosten. Ziel sei es, "die Kontrolle über den Luftraum zu gewährleisten, Menschenleben zu schützen und neue Bedrohungen frühzeitig vorwegzunehmen". Sánchez betonte, dass internationale Technologie notwendig sei und die Beauftragung direkt über Verhandlungen mit den Herstellern erfolgen solle, begleitet von den jeweiligen Botschaften.

Wie die BBC berichtet, folgte der politische Beschluss für diese Initiative auf einen Drohnenangriff der ELN-Guerilla auf ein Bataillon der Armee wenige Wochen zuvor im Departamento Cesar. Dabei kamen sieben Angehörige der Streitkräfte ums Leben, und mehr als 30 wurden verletzt. Einen Tag später ordnete Präsident Petro den sofortigen landesweiten Kauf von Anti-Drohnen-Systemen an und leitete damit einen Kurswechsel in der Luftverteidigung ein.

Laut Angaben der Behörden wurden im Jahr 2024 insgesamt 115 Vorfälle mit Drohnen registriert. Betroffen waren sowohl uniformierte Personen als auch strategische Infrastruktur. Präsident Petro erklärte Ende 2025, der Konflikt in Kolumbien sei inzwischen ein Krieg der Drohnen und Anti-Drohnen. Den früheren Luftvorteil der Streitkräfte sieht Petro inzwischen bei Drogenhändler:innen und den mit ihnen verbundenen bewaffneten Gruppen.

Parallel zur Ankündigung des Schutzschildes stellte die Armee bereits im Oktober ihr erstes Drohnenbataillon vor. Auf dem Stützpunkt Tolemaida wurden Drohnen mit künstlicher Intelligenz präsentiert, die Gesichter erkennen, Fahrzeuge verfolgen und bewaffnete Gruppen aus der Luft angreifen können. Einige der Geräte erreichen eine Reichweite von bis zu 45 Kilometern.

Die Pläne stoßen jedoch auf Skepsis. Laura Bonilla, Direktorin der Stiftung für Frieden und Versöhnung, erklärte gegenüber BBC Mundo, dass es in Lateinamerika kein vergleichbares nationales Projekt gebe. Der Einsatz von Drohnen durch bewaffnete Gruppen sei eine neue Entwicklung. Bonilla betont, dass bewaffnete Gruppen Drohnen vor allem in Regionen wie dem Catatumbo an der venezolanisch-kolumbianischen Grenze oder im Departamento Cauca einsetzen.

Sie interessieren sich für das Geschehen im Globalen Süden?

Wir versorgen Sie mit Nachrichten und Hintergründen aus Lateinamerika. Unterstützen Sie uns mit einer Spende.

Dort nutzen Gruppen wie Frente 33 oder der ELN die Geräte nicht nur für Angriffe, sondern auch zur Überwachung und Kontrolle von Gebieten. Die Geräte würden häufig im Internet gekauft und später für militärische Zwecke angepasst. Bonilla bezeichnet Drohnen als neue unkonventionelle Waffen der Guerillas, die billig und leicht zu beschaffen seien. Sie bezweifelt, dass ein nationaler Schutzschild in abgelegenen Regionen oder im Amazonasgebiet wirksam sein kann.

Ähnlich äußert sich der Politologe Vladimir Rodríguez, früher zuständig für Technologie und Cybervorfälle im Verteidigungsministerium. Ein Anti-Drohnen-Schutzschild bestehe aus einem Netzwerk zur Erkennung und Neutralisierung von Drohnen durch Radar und Funksignale. Solche Systeme eigneten sich vor allem zum Schutz zentraler Infrastruktur. Für einen mobilen Guerillakonflikt seien sie nur begrenzt geeignet. Rodríguez kritisiert eine Investition ohne ausreichende Analyse des aktuellen Konflikts und warnt vor einer möglichen Geldverschwendung.

Kolumbien modernisiert seine Streitkräfte weiter. Im November unterzeichnete die Regierung ein Abkommen mit Schweden über den Kauf von 17 Kampfflugzeugen vom Typ Gripen im Wert von rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Petro bezeichnete den Kauf als notwendige Abschreckung gegen Gewalt, die tief in illegalen Wirtschaftsstrukturen verwurzelt sei.

Präsident Petro war mit dem Versprechen eines umfassenden Friedens angetreten, verfolgt angesichts wachsender Sicherheitskrisen jedoch zunehmend einen konfrontativen Kurs. Erst kürzlich wies die Regierung das vorgeschlagene Nationale Abkommen der ELN-Guerilla vom 12. Januar 2026 mit der Begründung fehlender Glaubwürdigkeit ab (amerika21 berichtete). Wie diese Strategie von den Wähler:innen bewertet wird, dürfte sich auch bei den kommenden Wahlen im Mai zeigen.