Kolumbien / Politik

Präsidentschaftswahl in Kolumbien: Linker Kandidat führt Umfragen an

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Iván Cepeda bei einer Kundgebung mit Mitgliedern der indigenen sozialen Bewegungen
Iván Cepeda bei einer Kundgebung mit Mitgliedern der indigenen sozialen Bewegungen

Bogotá. Der Kandidat der progressiven Partei Pacto Histórico (Historischer Pakt), Iván Cepeda, gilt laut aktuellen Umfragen als Favorit für einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im Mai. Bei einer Meinungsumfrage der Firma GAD3, die von den traditionellen Medien RCN, La FM und La República in Auftrag gegeben wurde, käme Cepeda auf 30 Prozent der Stimmen.

Der 63-jährige Politiker, der die Politik von Präsident Gustavo Petro fortführen will, hat eine lange Geschichte als Menschenrechtler. 2003 gründete er die Organisation der Opfer von Staatsverbrechen, Movimiento de Víctimas de Crímenes de Estado (Movice). Sein Vater wurde von Paramilitärs und Angehörigen der Streitkräfte ermordet. Er war Mitglied des Kongresses für die linke Unión Patriótica. Cepedas Mutter war Aktivistin der Kommunistischen Partei.

Vor seiner Präsidentschaftskandidatur war Cepeda seit 2014 Senator. Er spielte eine wesentliche Rolle bei der ersten Verurteilung des ultrarechten Ex-Präsidenten Álvaro Uribe (2002–2010) im letzten Jahr in einem Verfahren über Zeugenmanipulation, das im Zusammenhang mit Uribes mutmaßlichen Beziehungen zu paramilitärischen Gruppen stand.

Hinter Cepeda liegt der ultrarechte Präsidentschaftsanwärter Abelardo de la Espriella von der politischen Gruppe Defensores de la Patria (Verteidiger des Vaterlandes) in der GAD3-Umfrage mit 22 Prozent der Stimmen. Eine andere Befragung sieht den ultrarechten Politiker als Favoriten: Laut der brasilianischen Firma AtlasIntel vom 10. Januar liegt De la Espriella mit 28 Prozent der Stimmen vor Cepeda, der 26,5 Prozent erhalten würde. An dritter Stelle folgt der neoliberale Sergio Fajardo, der sich als Vertreter der politischen Mitte versteht, mit 9,4 Prozent. Die Meinungsumfrage der Firma Invamer vom 1. Dezember gab hingegen Cepeda 31,9 Prozent Zustimmung, De la Espriella 18,2 Prozent und Fajardo 8,5 Prozent.

Laut Politikanalyst:innen soll sich De la Espriella im Kern des politischen paramilitärischen Projekts der Ultrarechten engagiert haben. Ex-Chefs der Paramilitärs wie Salvatore Mancuso hatten eingeräumt, dass er mit ihnen zusammengearbeitet habe. Laut Medienberichten soll sein Anwaltsbüro in der Zeit der paramilitärischen Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens (AUC) große Gewinne erzielt haben.

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Er habe außerdem Paramilitärs vor Gericht verteidigt und sei auch der Anwalt "von Wirtschaftskriminellen, groß angelegten Betrügern und Politiker:innen, die in Paramilitarismus und Drogenhandel verwickelt waren", so die Historikerin und Journalistin Diana Carolina Alfonso.

Die anderen Präsidentschaftsanwärter:innen in der Umfrage von GAD3 erreichen höchstens drei Prozent der Stimmen. So etwa Paloma Valencia von der ultrarechten Partei Centro Democrático. Der neoliberale Juan Manuel Galán von der Partei Nuevo Liberalismo erreicht zwei Prozent; ebenso die ultrarechte Ex-Journalistin Vicky Dávila von der Movimiento Valientes (Bewegung der Tapferen); der rechte Ex-Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón zwei Prozent, sowie Fajardo.

Alles deutet darauf hin, dass es eine Stichwahl geben wird. Sollten Cepeda und De la Espriella dabei sein, würde der linke Kandidat 40 Prozent und der ultrarechte 32 Prozent der Stimmen bekommen.

Auch wenn Cepeda momentan als Favorit gilt, äußerte er Besorgnis über eine Zusammenarbeit zwischen der Trump-Regierung und der kolumbianischen Ultrarechten, um die Wahlen im Mai gegen ihn zu beeinflussen.