Lima. Fischer in Peru haben eine juristische Forderung gegen das spanische Energieunternehmen Repsol sowie den peruanischen Staat erhoben und verlangen umfassende Entschädigungen für die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des schweren Ölunfalls von 2022. Sie fordern eine vollständige Neubewertung der Schäden sowie zusätzliche Entschädigungen, da die bisherigen Zahlungen ihrer Ansicht nach nicht ausreichten, um die wirtschaftlichen und sozialen Verluste abzudecken.
Die Demonstranten, vertreten durch die Federación de Pescadores Artesanales, Ancestrales y Tradicionales aus den Distrikten Ventanilla, Santa Rosa, Ancón, Aucallama und Chancay, verurteilten den langjährigen Stillstand bei der Wiederherstellung der durch das Öl verseuchten Küsten und bezeichneten ihn als unzureichend und ungerecht. Sie kündigten eine verfassungsrechtliche Klage vor dem peruanischen Justizsystem an, um Schadensersatz für Verluste an Einkommen und Lebensgrundlage zu erzwingen, die ihnen durch das verunreinigte Meer entstanden seien.
Die Fischer kritisieren, dass ein im März 2022 zwischen der Regierung und Repsol abgeschlossener Entschädigungsvertrag ohne genaue Zeitangaben zur Schadensbehebung und ohne faire Bewertung der tatsächlichen Verluste zustande gekommen sei. Viele Betroffene hätten aus wirtschaftlicher Not frühzeitig Zahlungen angenommen, die jedoch nicht die tatsächlichen Schäden abdeckten, so die Kritik der Gewerkschaftsvertreter. Sie fordern die Aufhebung dieses Vertrags und eine Neuverhandlung, da ihrer Ansicht nach sowohl der Staat als auch Repsol ihre Verantwortung gegenüber den Gemeinschaften nicht erfüllt hätten.
Der Ölunfall ereignete sich am 15. Januar 2022, als bei der Refinería La Pampilla in der Provinz Callao zwischen 10.400 und 11.900 Barrel Rohöl ins Meer gelangten und große Teile der Küste verschmutzten. Betroffen waren neben Fischern auch Tausende weitere Menschen, die in der Küstenwirtschaft beschäftigt sind. Mehr als 5.500 Fischer sollen direkt betroffen sein, während Schätzungen von insgesamt rund 700.000 Betroffenen ausgehen, die entlang der besiedelten Küstenregionen auf Einkommen aus dem Meer angewiesen sind.
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Die Fischer werfen der Regierung vor, bei der Reinigung der Strände und bei der Überwachung der ökologischen Wiederherstellungsmaßnahmen versagt zu haben. Trotz laufender Ermittlungen der Fiscalía Especializada en Materia Ambiental de Lima Noroeste gegen Repsol wegen möglicher Umweltverstöße und falscher Informationen über das Ausmaß des Schadens sehen die Gewerkschaften keine spürbaren Fortschritte bei der tatsächlichen Schadensbehebung.
In den letzten Jahren haben Fischer und Gemeinschaften wiederholt juristische Schritte angekündigt, darunter auch eine Verfassungsklage gegen den Staat und Repsol, weil sie eine Verletzung grundlegender Menschenrechte durch anhaltende Umweltschäden und wirtschaftliche Unsicherheiten sehen.
Repsol weist die Vorwürfe zurück und betont, das Unternehmen habe alle im Entschädigungsprogramm vorgesehenen Zahlungen geleistet und arbeite weiter an der Sanierung betroffener Gebiete. Laut Unternehmensangaben wurden Tausende Geschädigte finanziell kompensiert und die Wiederherstellung der Strände sei weit fortgeschritten. Nach Repsols Darstellung entspreche das Vorgehen den Vorgaben des Staates und internationalen Standards. Die Fischerverbände widersprechen dieser Darstellung und verweisen auf fortbestehende Einschränkungen der Fanggebiete, weiterhin verunreinigte Zonen und ausbleibende staatliche Kontrollen.


