Peru / Politik

Peru versetzt 1.456 Polizisten vorzeitig in den Ruhestand

570 davon wegen Korruptionsvorwürfen. Innenministerium verweist auf mehr Delikte in der Polizei und eine verschärfte Sicherheitslage

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Schon bei den Protesten vor zwei Jahren fragte diese Demonstrantin: "Wer beschützt uns vor der Polizei?"
Schon bei den Protesten vor zwei Jahren fragte diese Demonstrantin: "Wer beschützt uns vor der Polizei?"

Lima. Die peruanische Regierung hat 1.456 Mitglieder der Nationalpolizei (PNP) in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, darunter 570 wegen Korruptionsvorwürfen. Dies teilte das Innenministerium in Lima mit und begründete die Maßnahme mit der Zunahme von Delikten innerhalb der Polizei sowie der allgemeinen Verschärfung der Sicherheitslage im Land.

Laut Innenminister Vicente Tiburcio verfolgt die Inspectoría General inzwischen einen neuen Ansatz: Statt auf Anzeigen zu warten, sucht sie aktiv nach Anzeichen für Korruption. In diesem Jahr wurden bereits 4.188 Disziplinarstrafen gegen Beamt:innen aller Dienstgrade verhängt. Hintergrund sind zahlreiche Fälle von Erpressung, illegaler Festnahme, Dokumentenfälschung und mutmaßlicher Zusammenarbeit mit kriminellen Netzwerken.

Die Regierung präsentierte zugleich eine umfassende Strategie zur Stärkung der institutionellen Integrität der Polizei. Dazu gehören Zuverlässigkeitsprüfungen inklusive Polygraphentests, die umfassende Reorganisation der Disziplinarbüros sowie die Einrichtung einer neuen Sonderstelle für beschleunigte Verfahren bei schweren Vergehen. Ein im November verabschiedetes neues Disziplinarreglement verschärft zudem die Sanktionen bei Korruption, Amtsmissbrauch und Informationsweitergabe. "Korruption zu bekämpfen ist nicht nur eine ethische Verpflichtung: Sie ist die Grundlage für Sicherheit, Autorität und Regierungsfähigkeit", betonte der Minister.

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Auch ehemalige Polizeiführer:innen unterstützen das Vorgehen. Der pensionierte General José Baella bezeichnete die schnellen Entlassungen als "dringend notwendig", um die "kriminelle Infiltration" in der Polizei zu stoppen. Zugleich zeigen aktuelle Gerichtsentscheidungen, wie tief das Problem reicht: Zwei Suboffizier:innen wurden jüngst wegen Entführung, Erpressung und Fälschung von Dokumenten zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die Maßnahmen treffen auf eine Bevölkerung, die von steigender Gewalt und wachsender Macht krimineller Organisationen verunsichert ist. Ein Tag nach der Bekanntgabe in Lima wurde der konservative Präsidentschaftskandidat Rafael Belaúnde Opfer eines bewaffneten Angriffs. Drei Schüsse trafen das Fahrzeug des Opfers, der Fahrer wurde durch Glassplitter verletzt.

Fast gleichzeitig bewilligte der Kongress erneut den Einsatz von bewaffneten US-Militärs im Land. Vom 1. Januar bis 31. Dezember 2026 sollen Mitglieder des US-Verteidigungsministeriums Unterstützungs-, Ausbildungs- und Koordinierungsaufgaben mit den Streitkräften und der Polizei Perus durchführen.