Lima/Santiago de Chile. Aufgrund der politischen Lage in Chile wollen vor allem illegal eingereiste Venezolaner:innen nun freiwillig das Land verlassen. Am 14. Dezember finden in Chile die Stichwahlen zur Präsidentschaft statt. Im ersten Wahlgang hat keine Kandidat:in über 50 Prozent der Stimmen erhalten. Zur Wahl stehen die linke Jeannette Jara und der rechte José Antonio Kast (amerika21 berichtete). Kast bekräftigte seinen Willen, mit aller Härte gegen Ausländer:innen ohne gültige Papiere vorzugehen: "Wer sich nicht legal in Chile aufhält, hat 102 Tage Zeit, unser Land zu verlassen und all seine Besitztümer, Vermögenswerte und Ersparnisse mitzunehmen. Wenn danach bei einer Identitätskontrolle festgestellt wird, dass sie keine gültigen Papiere besitzen, werden sie mit nichts als den Kleidern am Leib aus unserem Land ausgewiesen."
Viele Ausländer:innen, mehrheitlich aus Venezuela, versuchen seit etwa einer Woche freiwillig Chile zu verlassen. Peru verstärkt daher die Grenzkontrollen und militarisiert die Grenze zu Chile. Bisher sind etwa 100 Personen ohne gültige Papiere zurückgewiesen worden. Ganze Familien und Einzelpersonen kampieren seitdem in der Wüste und haben die Straße blockiert, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die chilenische Polizei ist vermittelnd eingeschritten und hat die Straße inzwischen wieder passierbar gemacht. In Interviews verweisen die Menschen darauf, dass sie nur auf der Durchreise seien und zurück in ihr Land wollten. Sie verlangen Passierscheine, Busse und sind sogar bereit dafür zu bezahlen. In Chile sollen sich etwa 300.000 Venezolaner:innen ohne gültige Ausweispapiere aufhalten.
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Der Grenzübergang ist weitläufig und illegal durch die Wüste zu umgehen. Der neugewählte Präsident von Peru, José Jerí, hat den Notstand in der Region ausgerufen und 100 zusätzliche Soldat:innen in das Gebiet entsandt, um den Grenzverlauf zu kontrollieren. Peru und Chile suchen auf Regierungsebene und über die jeweiligen Konsulate eine Lösung des Problems. Zwischen Chile und Venezuela gibt es keine direkten diplomatischen Beziehungen.
Vlado Mirosevic Verdugo, Abgeordneter der Liberalen Partei in der nördlichen Region, politisch Mitte-links orientiert, schlägt einen internationalen, sicheren Korridor vor. Dieser soll Chile, Peru und Ecuador umfassen, um die Rückkehrwilligen an die Grenze von Venezuela zu führen. Der Bürgermeister der grenznahen Regionalhauptstadt Arica auf chilenischer Seite sieht im Moment noch keinen Handlungsbedarf. Er versichert aber, dass die Stadt im Falle der Ankunft einer größeren Anzahl von ausreisewilligen Personen Unterkünfte und humanitäre Hilfe bereitstellen kann.


