Lima. Die peruanische Regierung hat am Montag bekanntgegeben, dass sie die diplomatischen Beziehungen zu Mexiko abbrechen wird. Auslöser ist, dass Mexiko der ehemaligen peruanischen Premierministerin Betssy Chávez Asyl gewährt.
Chávez befand sich für über zwei Jahre in Untersuchungshaft. Ihr wird vorgeworfen Präsident Pedro Castillo (2021-2022) bei dessen Versuch, das Parlament im Dezember 2022 aufzulösen, unterstützt zu haben. Die Anklage lautet auf Rebellion. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr bis zu 25 Jahre Haft.
Chávez prangerte mehrfach Misshandlungen und psychologische Gewalt im Rahmen ihrer Haft an. Im September ordnete das peruanische Verfassungsgericht ihre Freilassung aus der Untersuchungshaft an, da die Frist für deren Verlängerung abgelaufen war (amerika21 berichtete). Letzte Woche erschien Chávez dann nicht mehr vor Gericht und flüchtete in die mexikanische Botschaft.
Perus Präsident José Jerí forderte daraufhin Karla Ornelas, die Leiterin der Botschaft, zur Ausreise auf und brach die Beziehungen zu Mexiko ab. Am Donnerstag verkündete der peruanische Kongress auf X Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum "aufgrund ihrer inakzeptablen Einmischung in die inneren Angelegenheiten Perus zur persona non grata zu erklären".
Den Abbruch der Beziehungen nannte Sheinbaum "völlig unverhältnismäßig" und wies die Anschuldigungen zurück. Sie betonte, dass die Festnahme von Castillo "völlig ungerechtfertigt" gewesen sei und führte sie unter anderem auf Rassismus aufgrund seiner indigenen Abstammung zurück.
Sheinbaums stellvertretender Außenminister, Roberto Velasco Álvarez, erklärte, dass es im Prozess gegen Chávez zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Mexiko habe sich daher dazu entschlossen der Bitte von Chávez um Asyl zu entsprechen.
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Perus Außenminister Hugo de Zela warf der mexikanischen Regierung vor, die Ereignisse aus einer "ideologisierten" Perspektive zu betrachten. Er ergänzte: "Es handelt sich um zwei Personen, gegen die ein Gerichtsverfahren mit allen Garantien läuft und die nicht verfolgt werden".
Chávez selbst wies das auf X zurück: "Hier gibt es keine Unparteilichkeit: Richter und Staatsanwälte handeln nach Anweisungen und Gefälligkeiten, nicht nach dem Gesetz. Sie werden mich nicht zum Schweigen bringen."
Die derzeitige Situation ist ein neuer Tiefpunkt in den peruanisch-mexikanischen Beziehungen, die bereits seit einigen Jahren zerrüttet sind. Bereits Sheinbaums Vorgänger und enger politischer Verbündeter Andres Manuel Lopez Obrador (2018-2024) hatte die Freilassung von Expräsident Castillo gefordert und sich geweigert, die Regierung von Castillos Nachfolgerin Dina Boluarte anzuerkennen, die er als "Usurpatorin" bezeichnete.
Ebenso lehnte er es ab, den Vorsitz der Pazifik-Allianz im Februar 2023 turnusmäßig an Peru zu übergeben und gewährte Castillos Frau und Kindern Asyl, woraufhin Peru den damaligen mexikanischen Botschafter auswies.
Trotz der derzeitig angespannten Lage wurde der Kontakt noch nicht völlig abgebrochen. Beide Seiten verkündeten, dass die konsularischen Beziehungen der beiden Länder, also zum Beispiel Visa- oder Handelsangelegenheiten, weiterhin offen bleiben werden. Das mexikanische Außenministerium betonte außerdem die "historischen Freundschaftsbeziehungen" zwischen Mexiko und Peru.

