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Sollten kolumbianische Paramilitärs im Wahlkampf in Venezuela agieren?

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Mit einem Video wendeten sich die Paramilitärs aus Kolumbien an die Öffentlichkeit
Mit einem Video wendeten sich die Paramilitärs aus Kolumbien an die Öffentlichkeit

Santa Marta. Die kolumbianische paramilitärische Gruppe "Autodefensas Conquistadoras de la Sierra" (ACSN) hat am Freitag berichtet, sie sei von "rechtsextremen Gruppen in Venezuela" kontaktiert worden, um das Land vor den Präsidentschaftswahlen am 28. Juli zu destabilisieren.

In einer Videobotschaft behaupten sie, Personen aus dem ultrarechten Lager in Venezuela hätten sie aufgefordert, Handlungen durchzuführen, die die Infrastruktur des Landes stören und Chaos in den Straßen verursachen könnten.

Im Kommuniqué vom 5. Juli heißt es, sie seien mit konkreten Vorschlägen kontaktiert worden, sollten das Stromnetz angreifen, direkt gegen Präsident Nicolás Maduro vorgehen und im Falle seiner Wiederwahl Demonstrationen infiltrieren, um Unruhe und Chaos zu stiften.

Maduro hat Generalstaatsanwalt Tarek William Saab gebeten, die Ermittlungen zu übernehmen. Die kolumbianischen Behörden untersuchen derzeit den Wahrheitsgehalt des Kommuniqués. In Venezula werden kurz vor der Wahl Sabotageakte und Destabilisierungsversuche befürchtet. Diese Hinweise auf illegale Aktionen durch die Ultrarechte kommen daher nicht unvermittelt.

Die ACSN erklärte, dass sie sich "nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischt" und ihre Hauptaufgabe darin bestehe, die Ordnung in der Sierra Nevada aufrechtzuerhalten. Sie erklärten sich bereit, mit den venezolanischen Behörden zusammenzuarbeiten und mehr Informationen über Versuche der Aufstachelung zur Gewalt preiszugeben.

Bereits mehrfach in der Geschichte der Nachbarländer haben kolumbianische Paramilitärs in Venezuela bei Putschversuchen und Sabotageaktionen mitgewirkt. Nicht zuletzt bei dem Versuch, den Oppositionspolitiker Juan Guaidó als Interimspräsident einzusetzten, hatten sich viele der Ultrarechten der beiden Länder gemeinsam in Kolumbien gesammelt. 

Die ACSN, auch Pachenca genannt, sind eine bewaffnete Gruppe mit Einfluss an der Karibikküste. Ihr Machtzentrum ist die Sierra Nevada und Santa Marta, wo sie die Korridore für den Drogenhandel kontrollieren und umfangreiche Erpressungsnetze betreiben.

Seit Ende 2022 ist die Gruppe im Rahmen des "Paz Total" an Friedensgesprächen mit der Regierung beteiligt. Die Verhandlungen kamen jedoch über erste informelle Gespräche nicht hinaus. Als der Waffenstillstand im Juni 2023 schließlich auslief, ignorierte die Regierung die Forderungen der Pachenca nach einer Verlängerung.

Die Hauptenklave der ACSN befindet sich in der Region der Sierra Nevada um die Stadt Santa Marta, aber ihr Einfluss reicht bis zur venezolanischen Grenze im Departamento La Guajira und im Norden von Cesar.

Nach Angaben des kolumbianischen Konfliktforschungszentrums Indepaz war die Gruppe im Jahr 2022 insgesamt in elf Gemeinden in den Departamentos Magdalena, La Guajira, Cesar und Atlántico präsent. Diese Region ist von strategischer Bedeutung, da sie wichtige Gebiete für die Drogenproduktion mit den Seewegen über verschiedene Flüsse, Häfen und Versandstellen an der Küste verbindet.

Die ACSN haben Verbindungen zu Banden von Auftragsmördern, insbesondere in städtischen Gebieten. Zudem führt die Gruppe Erpressungen durch und kassiert regelmäßig Schutzgelder von Händlern und Einwohnern, insbesondere aus dem Tourismussektor an den Stränden der Sierra Nevada.

Die paramilitärische Gruppe wurde auch mit der Ermordung sozialer Führungspersönlichkeiten in der Sierra Nevada in Verbindung gebracht. Einer der bekanntesten Fälle ist die Ermordung des Umweltaktivisten Alejandro Llinás, der in den Tagen vor seinem Tod im Jahr 2020 die Schutzgelderpressungen bekanntmachte, die Pachencas für die Arbeit mit Touristen in der Nähe des Nationalparks Tayrona einführte.