Tote und schwere Schäden nach Starkregen in Mittelamerika

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Mittelamerika, wie hier Guatemala, ist von Starkregen und Überschwemmungen betroffen
Mittelamerika, wie hier Guatemala, ist von Starkregen und Überschwemmungen betroffen

San Salvador/Guatemala-Stadt. Nach einer monatelangen Hitzewelle ist Zentralamerika von extremen Regenfällen betroffen. Nach Medienberichten gab es bereits Todesfälle, der Regen hält unterdessen an. Allein in El Salvador kamen bisher elf Menschen ums Leben, darunter zwei Minderjährige. Ihr Haus wurde von einem Erdrutsch verschüttet.

Fernando López, Minister für Umwelt und natürliche Ressourcen, wies darauf hin, dass über dem Golf von Mexiko ein neues Tiefdruckgebiet entsteht, das sich mit "hoher Wahrscheinlichkeit zu einem tropischen Sturm entwickelt und daher einen direkten Einfluss auf das Land haben wird". Es sei mit "mehr Regen" zu rechnen.

Laut Innenminister Juan Carlos Bidegaín sind bisher 882 Menschen in Notunterkünften registriert, darunter 430 Minderjährige. Bildungseinrichtungen wurden im ganzen Land für Dienstag und Mittwoch geschlossen oder auf online Unterricht umgestellt. Um der Krise zu begegnen, sei das Land in Alarmbereitschaft. Der Kongress hatte bereits am Sonntag einem Ausnahmezustand für 15 Tage für das gesamte Land zugestimmt, erklärte der Minister in den Medien.

In Guatemala sind bisher acht Menschen ums Leben gekommen. In zwölf der 22 Departamentos wurde am Montag der Präsenzunterricht in Schulen und Universitäten eingestellt. Präsident Bernardo Arévalo erklärte, das Land stehe vor einer "historischen Regenzeit". Zusätzlich zu den Rettungsdiensten beauftragte er 30.000 Soldaten mit der Bewältigung der Auswirkungen und von Notfällen.

Auch die Landwirtschaft in dem mittelamerikanischen Land ist betroffen. Im Departamento Quetzaltenango berichtete Prensa Comunitaria von Schäden auf den Milpas, den traditionellen Maisfeldern. Ein Landwirt aus dem Armenviertel Las Rosas am Rande der Departamentshauptstadt Quetzaltenango erklärte gegenüber amerika21, auf seinem Maisfeld sei bei der heranwachsenden Pflanze "alles kaputt", durch "Regen und starken Wind". "Erst die wochenlange Trockenperiode und der ausbleibende Regen im Mai und jetzt diese Regenfälle" sagte er, "normale Trocken- und Regenperioden gibt es immer weniger". Mais ist das Hauptnahrungsmittel in Guatemala, die Preise dafür sind deutlich gestiegen und liegen aktuell bei 400-500 Quetzales (48-60 Euro) pro Quintal (ca. 46 Kg).

In der Hauptstadt Guatemala-Stadt gab es bisher einen Todesfall. Im Einzugsgebiet der Stadt leben rund 700.000 Menschen in prekären Siedlungen. Auf den Hügeln um das Stadtzentrum gibt es in der Regenzeit ein deutlich erhöhtes Risiko von Erdrutschen und Überschwemmungen.

Erst am vergangenen Freitag hatte die Polizei versucht, im Armenviertel "Dios es fiel" in der Zone 7 eine Siedlung unter der Brücke El Naranjo zu räumen. Die Siedlung sei ohne Genehmigung errichtet und befindet sich in einem Hochrisikogebiet während der Regenzeit. Im vergangenen September kamen dort elf Menschen ums Leben, als ein kleiner Bach durch den Regen anschwoll und mehrere Häuser mit sich riss.

In Honduras sind nach Behördenangaben bisher etwa 5.200 Menschen vom Regen betroffen, besonders in den südlichen Landesteilen. 38 Gemeinden seien durch Überschwemmungen von der Außenwelt abgeschnitten, davon 16 im Landkreis Alianza im Departamento de Valle.

Auch in Nicaragua wurden starke Regenfälle gemeldet, bisher gab es nach Medienangaben einen Todesfall und einen Verletzten, rund 40 Häuser wurden zerstört.

Die gesamte Region war zwischen Februar und Mai von einer ungewöhnlich heißen Trockenzeit betroffen, die immer wieder zu Waldbränden geführt hatte (amerika 21 berichtete). Die jetzt einsetzenden Regenfälle markieren den Beginn der Regenzeit, diese beginnt aber normalerweise schon Anfang Mai.