UNO alarmiert über anhaltende Gewalt und Verletzungen der Menschenrechte in Kolumbien

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Vorstellung des UN-Berichts am Dienstag in Bogotá
Vorstellung des UN-Berichts am Dienstag in Bogotá

Bogotá. Die Vertreterin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Kolumbien, Juliette De Rivero, hat eine aktuelle Analyse der Menschenrechtslage vorgelegt.

Die UNO erkenne die Fortschritte der Regierung von Präsident Gustavo Petro und ihre Konzentration auf die Menschenrechte an. Sie stelle jedoch fest, dass die Bevölkerung weiterhin unter Gewalt leidet, so De Rivero am Dienstag in der Hauptstadt Bogotá. Am stärksten betroffen seien die indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften sowie die Bauernfamilien auf dem Land.

De Rivero erklärte: "Wir sind besorgt über die Ausbreitung der bewaffneten Gruppen und die gewaltsamen Strategien der sozialen Kontrolle, die sie gegen die Zivilbevölkerung und die Basisorganisationen einsetzen, trotz des ihnen angebotenen Dialogs".

Im ersten Halbjahr 2023 ist laut der UN-Untersuchung die Zahl der Morde an Menschenrechtsverteidigern im Vergleich zum vorangegangenen Halbjahr (Juli bis Dezember 2022) um 19 Prozent zurückgegangen. Dies sei positiv, die Zahl jedoch immer noch hoch.

De Rivero führte aus, dass die UN in der ersten Hälfte des Jahres 2023 46 Fälle von Morden an Menschenrechtsverteidigern verifiziert haben, darunter 39 Männer und sieben Frauen. Elf Personen waren Indigene, neun waren Afro-Kolumbianer und 15 Kleinbauern. 35 Prozent der als Menschenrechtsverteidiger getöteten Personen waren Gemeindeaktivisten.

Besorgniserregend sei die Situation im Departamento Cauca. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2023 wurden dort zwölf Personen ermordet. Auch die Departementos Nariño, Norte de Santander und Valle del Cauca weisen hohe Zahlen auf.

Bezüglich Zwangsvertreibungen stellt der Bericht fest, dass die Zahl im Vergleich zum vorherigen Halbjahr um 33 Prozent zurückgegangen ist. Die Zahl der Tötungen von ehemaligen Kämpfern der Farc-Guerilla sei im gleichen Zeitraum um zwei Fälle zurückgegangen.

Dagegen wurde ein Anstieg der Massaker um elf Prozent im Vergleich zum vorherigen Halbjahr registiert, im Jahr 2023 waren es bisher 52. Die am meisten betroffenen Departamentos waren Atlántico, Antioquia, Cauca, La Guajira, Magdalena, Meta, Norte de Santander, Putumayo und Valle del Cauca.

De Rivero wies auch auf die von Gemeinden angeprangerte Zunahme der Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen hin. In der ersten Jahreshälfte seien 57 entsprechende Beschwerden eingegangen. "Wir fordern, dass die Beendigung der Kinderrekrutierung und der Schutz der Kinder von Anfang an in die Dialoge oder Verhandlungen mit den bewaffneten Gruppen einbezogen werden", sagte sie.

Laut UN-Bericht gab es im Jahr 2023 bisher 48 Fälle von Rekrutierungen Minderjähriger, neun weitere Fälle werden derzeit überprüft. Unter den 48 verifizierten Fällen sind 25 indigene und zwei afrokolumbianische Kinder.

Zu den Ursachen gehörten Ernährungsunsicherheit und die fehlende Erfüllung des Rechts auf einen angemessenen Lebensstandard. Auch der fehlende Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und der kulturelle Verlust der ethnischen Völker aufgrund der Auswirkungen des Konflikts erzeuge eine größere Anfälligkeit der Kinder und Jugendlichen für diese missbräuchlichen Praktiken, sagte die UN-Vertreterin.

Der stellvertretende Justizminister Camilo Umaña erklärte dazu, dass trotz der Verbesserung der Zahlen in bestimmten Bereichen diese absolut nicht zufriedenstellend sind: "Wir müssen als nationale Regierung anerkennen, dass der Tod eines einzigen Menschenrechtsverteidigers, die Absperrung einer einzigen Gemeinde, die Rekrutierung eines einzigen Minderjährigen absolut inakzeptabel ist."

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