Ecuador verzeichnet mit 272 Fällen in diesem Jahr Höchststand an Femiziden

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Femi(ni)zide 2022: In Ecuador vom 1. Januar bis zum 15. November
Femi(ni)zide 2022: In Ecuador vom 1. Januar bis zum 15. November

Quito. In diesem Jahr sind in Ecuador bis zum 15. November 272 Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet worden. Die lateinamerikanische Vereinigung für alternative Entwicklung (Aldea) aus Ecuador gab dies in einem Bericht bekannt.

Das bedeutet, dass in dem südamerikanischen Land alle 28 Stunden ein Femizid geschieht.

2021 wurde mit 197 Fällen zum Jahr mit der höchsten Rate an geschlechtsspezifischer Gewalt in Ecuador erklärt, heißt es in dem Bericht. 2022 habe diese Zahl noch übertroffen, und das Jahr sei noch nicht zu Ende. Damit ist auch die These entkräftet, der Anstieg von Gewalt an Mädchen und Frauen sei vor allem auf die Covid-19-Maßnahmen zurückzuführen.

22 Provinzen haben zwischen dem 1. Januar und dem 15. November insgesamt 272 Femizide gemeldet, in deren Folge 196 Kinder zu Waisen wurden. 109 der Opfer waren Mütter und neun schwanger.

Der Statistik zufolge sind Guayas, Manabí und Esmeraldas die Provinzen mit der höchsten Anzahl. Nur in Zamora Chinchipe und Galápagos wurden bis zum 15. November keine Femizide gemeldet. Die Mehrheit der Opfer waren zwischen 26 und 35 Jahre alt und insgesamt 30 minderjährig.

In acht der insgesamt 272 Fälle richtete sich die Gewalt gegen Transfrauen; zwei davon aus Guayas und Esmeraldas und je eine aus Cotopaxi, Santa Elena, Tungurahua und Manabí.

Die Hälfte der getöteten Frauen standen in einem persönlichen Verhältnis zum Täter, der oftmals Partner oder Expartner ist. Aus dem Report geht auch hervor, dass es in 40 Fällen eine Vorgeschichte von häuslicher und/oder sexueller Gewalt gab. In dem Zusammenhang kritisieren zahlreiche Organisationen die ungenügende Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt.

Aldea macht den Staat für die Femizide verantwortlich, da dieser nicht die notwendigen Maßnahmen ergreife, um Mädchen und Frauen zu schützen. Zudem fordert die Organisation eine Entschädigung der Opfer und ihrer Familien.

Der Aktivistin und Anwältin Vianca Gavilanes (Fundación Dignidad) zufolge würden keine Maßnahmen umgesetzt werden, da es an Haushaltsmitteln und staatlichen Strategien mangele. Sie sagt außerdem: "Einige politische Vertreter verbreiten eine Kultur und Gesetze, die zu geschlechtsspezifischer Gewalt führen. Die Polizei deckt die Aggressoren in ihren Reihen."

Die Stimmung ist momentan auch aufgrund des Femizids an der Anwältin María Belén Bernal aufgeheizt. Sie besuchte in der Nacht vor ihrem Verschwinden ihren Mann Germán Cáceres an seiner Arbeitsstelle, einer Polizeischule in Quito, wo sie das letzte Mal lebend gesehen wurde. Elf Tage später wurde sie auf einem Hügel in der Nähe der Schule tot aufgefunden. Vor wenigen Tagen entschied das Parlament, dass eine staatliche und politische Verantwortung für ihren Fall besteht (amerika21 berichtete), da laut aktuellem Ermittlungsstand mehrere Polizeibedienstete mit verwickelt sind.

Nach Bekanntgabe des Berichts fanden am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, in mehreren Städten feministische Proteste gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen statt, zu denen Aldea mitaufgerufen hat. In Quito demonstrierten trotz Regen mehrere Hundert Personen. Elizabeth Otavalo, die Mutter von María Belén Bernal war auch anwesend und betonte die Notwendigkeit, das Justizsystem zu reformieren.

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