Indigene aus Mexiko protestieren in Frankreich gegen Danone-Konzern

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Mitglieder von "Pueblos Unidos" und SomOfUs übergaben die Unterschriften in der Danone-Zentrale
Mitglieder von "Pueblos Unidos" und SomOfUs übergaben die Unterschriften in der Danone-Zentrale

Paris. Der Widerstand gegen den Danone-Ableger Bonafont in Mexiko hat Frankreich erreicht. Am 21. November protestierte eine Delegation der indigenen Nahuas mit der symbolischen Übergabe von knapp 50.000 Unterschriften vor der Zentrale des Lebensmittelkonzerns in Paris. Sie werfen dem Unternehmen den fortgesetzen Diebstahl von Grundwasser vor.

Durchgeführt wurde die Aktion von der Widerstandsbewegung der "Pueblos Unidos de la Región Cholulteca y de los volcanes" (Vereinte Völker der Region Cholulteca und der Vulkane), die sich im Frühjahr 2021 aufgrund des prekären Tiefstandes der Ziehbrunnen in ihren Dörfern gegründet hatte. Die Unterschriften wurden über die internationale Online-Plattform SumOfUs gesammelt, deren Ziel es nach eigenen Angaben ist, "große Konzerne zu verantwortlichem Handeln zu bewegen" und die sich an dem Protest beteiligte.

Seit drei Jahrzehnten entzieht das Abfüll-Unternehmen Bonafont, Ableger des französischen Konzerns Danone, das Wasser im Landkreis Juan C. Bonilla im mexikanischen Bundesstaat Puebla und zerstörte so die Lebensgrundlage von 22 indigenen Gemeinden.

In der Stellungnahme zu ihrer Protestaktion erklären die Indigenen: "Heute sind wir zu den Büros von Danone gekommen, wir sind Tausende von Kilometern gereist, um den Eigentümern und Angestellten dieses kriminellen Unternehmens ins Gesicht zu sagen, dass wir sie weder in unserem noch in einem anderen Gebiet haben wollen und dass wir als indigene Völker weiter kämpfen werden, bis sie unser Land für immer verlassen."

Weiter heißt es darin, die Konzession im Jahr 1992 sei auf betrügerische Weise erlangt worden, um einen landwirtschaftlichen Brunnen zu genehmigen, "der in Wirklichkeit ein Industriebrunnen war und dazu diente, unser Wasser zu plündern". Eine Umweltverträglichkeitsprüfung habe ebenso gefehlt wie die Genehmigungen der Gemeinde und der lokalen Behörden. Die "Pueblos Unidos" werfen der Firma zudem Steuerhinterziehung vor sowie "das Delikt der Wasserentnahme mit einer seit 2014 abgelaufenen Konzession".

Im März 2021 entschied die Versammlung der zur Nahua-Ethnie gehörenden Cholultecas, die Bonafont-Anlage, die täglich 1,8 Millionen Liter Wasser entnahm, zu schließen. Bereits wenige Tage später kehrte das Wasser in die Brunnen zurück und im August 2021 errichteten die indigenen Gemeinden auf dem Bonafont-Gelände Gemeinschaftseinrichtungen ‒ eine Schule, eine Bibliothek, eine Klinik, Werkstätten.

Die kommunale Nutzung des Geländes wurde im Februar 2022 von Lokalpolitikern, unterstützt durch die Regierung des Bundesstaates Puebla und die nationale Regierung beendet. Mit der Begründung, dass das Werksgelände angeblich nur noch zur Lagerung von abgefüllten Flaschen verwendet werden soll, wurden hunderte Einsatzkräfte von Nationalgarde, der Landes- und lokalen Polizei zur Räumung eingesetzt.

Der jetzige Protest vor der Konzernzentrale in Paris, an den sich eine Kundgebung vor dem Europaparlament in Brüssel anschloss, ist auch die Antwort der Betroffenen auf den Versuch, die Einforderung ihrer Rechte zu kriminalisieren: Danone-Mitarbeiter in Mexiko "haben falsche Informationen verbreitet und unbegründete Anschuldigungen gegen die Bevölkerung erhoben und uns kriminalisiert, weil wir Wasser und Leben verteidigen", prangert die Widerstandsbewegung an.

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