Lateinamerika: Neue Signale für mehr regionale Integration

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Präsidentin Xiomara Castro (Honduras) und Alberto Fernández (Argentinien) sprachen in Bogotá über eine stärkere Rolle der Celac
Präsidentin Xiomara Castro (Honduras) und Alberto Fernández (Argentinien) sprachen in Bogotá über eine stärkere Rolle der Celac

Bogotá. Die Präsident:innen von Argentinien und Honduras wünschen sich eine stärkere Kooperation der lateinamerikanischen Staaten. Im Nachgang zur Amtseinführung von Gustavo Petro als neuer kolumbianischer Präsident am Wochenende in Bogotá diskutierten die Staatschefs gemeinsam mit zahlreichen weiteren Politiker:innen aus der Region bei diversen Treffen über die Möglichkeiten, die sich aus einer Integration ihrer Länder ergeben würden.

Noch ist eine genaue Stoßrichtung für einen möglichen Integrationsprozess nicht erkennbar. Jedoch wurde bei einem Treffen zwischen Argentiniens Präsident Alberto Fernández, und der honduranischen Präsidentin, Xiomara Castro, ersichtlich, dass beide der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac), dabei eine Schlüsselrolle zusprechen.

Die Puebla-Gruppe, ein Forum der politischen und akademischen Linken sieht das ähnlich, da die Celac das einzige Gremium ist, dass alle 33 souveränen lateinamerikanischen und karibischen Staaten vereint. Nach ihrem Willen soll die Integration durch eine Stärkung der Celac sowie eine Annäherung der bereits existierenden Integrationsmechanismen, wie dem Mercosur, der Pazifik-Allianz oder der Bolivarischen Allianz für die Völker unseres Amerika (Alba) vorangetrieben werden.

Ein anderer verbreiteter Vorschlag ist der einer gemeinsamen Währung für Lateinamerika. Der ehemalige und möglicherweise auch zukünftige Präsident von Brasilien, Lula da Silva hatte den Gedanken geäußert, ebenso wie Roy Barreras, Vorsitzender des kolumbianischen Senats. Auch Chiles Präsident Gabriel Boric hatte öffentlich darüber nachgedacht, aber angeregt, dass zunächst andere Ebenen der Kooperation vertieft werden sollten.

Yair Cybel vom Lateinamerikanischen Strategiezentrum für Geopolitik (Celag) erklärt die neue Bewegung in der Integrationsdebatte: "Die Amtsantritt von Gustavo Petro markiert einen Wendepunkt, ein Vorher und Nachher in Kolumbien, eröffnet aber auch die Möglichkeit, über eine neue Art der Integration in Lateinamerika nachzudenken."

Die Idee eines geeinten Lateinamerikas geht bereits auf die Unabhängigkeitsbewegungen im 19. Jahrhundert zurück. Im Juli dieses Jahres fand der 200. Jahrestag des legendären Treffens von Guayaquil statt. Dort besprachen die beiden Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar und José de San Martín ihre Ideen für die zukünftige Struktur des Kontinents. Auch wenn sie letztlich verschiedener Meinung waren, lebte die Idee einer Integration seitdem immer wieder auf, wie Regionalbündnisse wie der Andenpakt oder der Mercosur zeigen. Bislang blieben solche Projekte allerdings stets partiell und meist auf die ökonomische Ebene beschränkt.

Obwohl viele Länder Lateinamerikas im Moment stark mit ihren eigenen wirtschaftlichen und sozialen Problemen beschäftigt sind, scheint der Augenblick für Integrationsprojekte dennoch günstig – so sehen es Beobachter:innen. Die USA, die die Region stets als ihren Hinterhof betrachtet haben, seien angeschlagen.

Laura Velasco, eine Regionalabgeordnete aus Buenos Aires kommentierte dies folgendermaßen: "Ein multipolares internationales Panorama tut sich auf. Die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten in der Region ist nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit."

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