Prominenter Staatsanwalt aus Paraguay auf kolumbianischer Urlaubsinsel ermordet

paraguay-produzent-marhuana-drogenroute.jpeg

Drogenbekämpfung in Paraguay hat nicht nur die Kartelle als Gegner
Drogenbekämpfung in Paraguay hat nicht nur die Kartelle als Gegner

Asunción/Cartagena. Der bekannte paraguayische Staatsanwalt Marcello Pecci ist auf der Halbinsel Barú in Kolumbien erschossen worden. Nach Angaben der Behörden von Cartagena befand sich der Staatsanwalt am Strand eines Hotels, als ihn zwei Männer auf einem Jetski angriffen.

Pecci war in Paraguay ein auf die Bekämpfung des organisierten Verbrechens spezialisierter Staatsanwalt, der mit mehreren der wichtigsten Fällen von Drogenhandel und Geldwäsche im Land betraut war.

Der kolumbianische Polizeidirektor General Jorge Luis Vargas ordnete die sofortige Entsendung von fünf hochrangigen Ermittlern an den Ort des Geschehens an und setzte sich mit den paraguayischen Behörden in Verbindung, um eine Kommission von Beamten von dort heranzuziehen, die die Ermittlungen unterstützen werden. Kolumbiens Generalstaatsanwalt Francisco Barbosa sei ebenfalls eingeschaltet und die Untersuchung werde auch von den USA unterstützt, so die ersten Mitteilungen.

Der Verteidigungsminister von Kolumbien, Diego Molano, äußerte sich auf seinem Twitter-Account. Er verurteilte die "verwerfliche Tat" und habe angewiesen, dass die Ermittlungen hochrangig geleitet werden.

Der Präsident der paraguayischen Vereinigung der Strafverfolger, Augusto Salas, äußerte in einem Radiointerview, dass niemals zuvor ein Staatsanwalt seines Landes Opfer eines solchen Angriffs geworden sei. Er fordere die kolumbianischen Behörden auf, den Vorfall aufzuklären. "Und wenn es eine Verbindung zu Personen in Paraguay gibt, sollten sie uns alle Informationen geben, die wir für die Ermittlungen benötigen. Es besteht kein Zweifel daran, dass es sich um einen Angriff handelte, nicht um einen versuchten Raubüberfall".

Der Fall schlägt nicht nur wegen der Person Pecci hohe Wellen, sondern auch als familiäre Tragödie. Wenige Tage zuvor war der ehemalige Staatsanwalt mit seiner frisch angetrauten Frau, der Journalistin Claudia Aguilera, zu den Flitterwochen angereist. Wenige Minuten vor dem Mord postete diese auf ihrem Instagram-Account ein gemeinsames Foto und gab bekannt, dass sie schwanger sei.

Paraguay ist ein wichtiger Marihuanaproduzent in der Region und größter Korridor für Kokain von Bolivien nach Europa. Die Verbindungen zwischen dem Drogenhandel und der Colorado-Partei, die seit mehr als 70 Jahren an der Regierung ist, gelten als sehr eng. Erst im Februar musste der Ex-Innenminister Arnaldo Giuzzio sein Amt aufgeben, nachdem er aufgedeckte Verbindungen zu Führungsfiguren des Drogenhandels nicht mehr plausibel erklären konnte (amerika21 berichtete).

Behörden zufolge wird in Paraguay Koka aus Bolivien mit illegalen chemischen Grundstoffen vermischt. Anschließend soll es für den Weitertransport nach Afrika und Europa vorbereitet werden. Nach Angaben des paraguayischen Sekretariats für Drogenbekämpfung (Senad) sind Kap Verde und Rotterdam die wichtigsten Zielhäfen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr