Venezuela: Tote bei Auseinandersetzung zwischen Indigenen und Militärs

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Das Volk der Yanomami lebt im venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet
Das Volk der Yanomami lebt im venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet

Alto Orinoco. Bei einer Auseinandersetzung zwischen Indigenen vom Volk der Yanomami und Militärangehörigen sind im venezolanischen Bundesstaat Amazonas vier Personen getötet worden. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

Der Zwischenfall ereignete sich am 20. März in der Gemeinde Alto Orinoco. Nach Auskunft des Gouverneurs von Amazonas, Miguel Rodríguez, gerieten Angehörige der Luftwaffe mit einer Gruppe von Indigenen in einen Streit, dessen Ursache die Frage einer geteilten Nutzung der Internetinfrastruktur in der abgelegenen Gegend war. Die indigene Gemeinde hatte Berichten zufolge ihren Internetrouter an den lokalen Stützpunkt der Armee übergeben, der die Antenneninfrastruktur bereitstellte. Später soll das Militär das Zugangspasswort geändert haben, ohne es an die Gemeinde weiterzugeben.

Die Auseinandersetzung sei eskaliert, worauf die Yanomami Pfeil und Bogen, die Soldaten hingegen Feuerwaffen einsetzten. Vier Indigene starben. Fünf weitere Personen, darunter zwei Militärangehörige, seien verletzt worden.

Der Vorfall hat in Venezuela zu einigen Diskussionen geführt. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet, wie Generalstaatsanwalt Tarek William Saab bekanntgab. Die Ministerin für indigene Völker, Clara Vidal, verlangte die Aufklärung des Falls, die Feststellung der Verantwortlichkeiten und die Anwendung des Gesetzes. "Wir lehnen jede Gewaltsituation ab, welche die Menschenrechte verletzt", schrieb Vidal in einer Mitteilung.

Scharfe Kritik übte eine Reihe von indigenen Organisationen Venezuelas, die eine gemeinsame Erklärung veröffentlichten. Darin heißt es, Einheiten der Streitkräfte hätten "einmal mehr ihre Uniformen mit dem Blut von vier Angehörigen des Volkes der Yanomami befleckt". Die Unterzeichnenden fordern unter anderem die Bestrafung der Schuldigen, eine Untersuchung dieses und weiterer Vorfälle im Hinblick auf die Achtung der Menschenrechte der indigenen Völker, die Überprüfung der Rolle der Streitkräfte in den indigenen Gebieten Venezuelas und die Einrichtung von permanenten Dialog- und Arbeitsgruppen zur Lösung von Konflikten in den entsprechenden Territorien.

Die beiden verwundeten Militärs konnten den Ort des Konfliktes verlassen, weil "es eine Vermittlung gab, damit die indigenen Brüder sie freilassen konnten". Der Rest der Truppe, nach inoffiziellen Angaben etwa 20, wird von den Indigenen weiter in ihrem eigenen Stützpunkt festgehalten. Sie fordern, dass Vizepräsidentin Derlcy Rodríguez zu ihnen kommt, und erwarten, dass die Ermittlungen beschleunigt und die Verantwortlichkeiten geklärt werden.

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