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Ausnahmezustand in den Mapuche-Gebieten in Chile ein weiteres Mal verlängert

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Militante Mapuche greifen immer wieder Maschinerie und Gebäude der Forstindustrie an
Militante Mapuche greifen immer wieder Maschinerie und Gebäude der Forstindustrie an

Santiago. Das chilenische Parlament hat den seit Oktober 2021 geltenden Ausnahmezustand über südchilenische Regionen verlängert. Er gilt nun bis in die ersten beiden Wochen der Amtszeit des neu gewählten Präsidenten Gabriel Boric im März.

In vier Provinzen in den südchilenischen Regionen La Araucanía und Bíobío gilt seit Mitte Oktober vergangenen Jahres der Ausnahmezustand. Der scheidende rechtskonservative Präsident Sebastián Piñera verhängte ihn unter anderem aufgrund von wiederholtem Druck seitens unterschiedlicher Unternehmerverbände.

Zuvor war es mehrfach zu teils bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern von Organisationen der indigenen Mapuche und staatlichen Sicherheitskräften gekommen. Maschinerie und Gebäude der Forstindustrie kamen in größerem Umfang zu Schaden.

Viele Mapuche fordern seit Jahrzehnten den Rückzug der industriellen Forstwirtschaft mit ihren Plantagen schnell wachsender Baumarten, die in einem Großteil der indigenen Gebiete zu Wasserknappheit, sozialer Marginalisierung und Konzentration von Land und wirtschaftlicher Macht beiträgt.

Die harte Hand des Staates unter Piñera hat in den vergangenen Jahren die Lage nicht befriedet. Laut dem Unternehmerverband Multigremial de la Araucanía ist es allein während seiner vergangenen Amtszeit im Rahmen des Konfliktes zu 27 Toten gekommen.

Auch der Einsatz des Militärs im Zuge des Ausnahmezustands konnte in den vergangenen Monaten die Situation nicht beruhigen. Anfang November 2021 wurden zwei Mapuche durch Schüsse von Soldaten getötet und auch in diesem Jahr kam es bereits wieder zu einer Reihe von gewaltvollen Auseinandersetzungen.

Auf Antrag des rechtskonservativen Präsidenten verlängerten Senat und Kongress Ende Januar den Ausnahmezustand.

Der designierte Präsident Boric erklärte im Wahlkampf immer wieder, er wolle den Konflikt nicht mit Waffengewalt entscheiden, den Ausnahmezustand beenden und stattdessen auf einen Dialog mit allen Beteiligten setzen.

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