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Massive Umweltschäden durch Tren Maya-Projekt in Mexiko befürchtet

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Fonatur-Werbung für das Tren Maya-Projekt bei der größten Tourismumesse Mexikos, Tianguis Turístico
Fonatur-Werbung für das Tren Maya-Projekt bei der größten Tourismumesse Mexikos, Tianguis Turístico

Cancún. Der Bau und Betrieb des geplanten Tren Maya auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán könnte in mindestens 19 Fällen zu massiven Umweltschäden führen, hervorgerufen durch damit verbundene Infrastruktur- und Immobilienprojekte. Davor warnten Expert:innen in mehreren Studien der staatlichen Behörde zur Tourismusförderung Fonatur. Dies berichtete die Zeitung El Universal.

Die Orte, die demnach von den geplanten "Entwicklungsschwerpunkten" am meisten betroffen seien, wären das Biosphärenreservat Calakmul und Escárega im Bundesstaat Campeche, Palenque in Chiapas und Mérida in Yucatán.

Laut der Studien sei das Ziel, "nachhaltige Gemeinden" nach dem Vorbild des Urlaubsorts Cancún im Bundesstaat Quintana Roo zu bilden.

"Vieles ist improvisiert, es ist besorgniserregend, dass eine territoriale Neuordnung von dieser Gößenordnung geplant wird", kritisierte dagegen die Forscherin Violeta R. Núñez von der Universidad Autónoma Metropolitana. "Die Entwicklungsschwerpunkte sind das große Geschäft des Tren Maya und im Endeffekt wird versucht, 19 'Cancunes' zu reproduzieren, eine Ausplünderung der Natur." Über die Entwicklungsschwerpunkte selbst gebe es kaum konkrete Informationen, so die Forscherin. "Laut einer von der Regierung finanzierten Studie geht es hauptsächlich darum, all diese Gebiete in den Markt zu integrieren. Es wird viel von Wirtschaftlichkeit, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit gesprochen."

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Núñez kritisierte das Ausmaß der Improvisation beim Management des Projekts. Dies zeige sich etwa dadurch, dass die Armee am Bau beteiligt werde. Auch habe Präsident Andres López Obrador im September 2020 gesagt, dass "die Entwicklungsschwerpunkte nichts mit dem Zug zu tun haben und nicht Teil des Projekts sind, während der Direktor von Fonatur, Rogelio Jiménez Pons, weiter darauf besteht und diese auch weiterhin auf der offiziellen Website des Tren Maya stehen". Das Zug-Projekt wäre das erste Mal, dass "das Kapital in Lateinamerika eine soziale und nachhaltige Entwicklung propagiert, die die Umwelt nicht schädigt", fügte Núñez ironisch hinzu.

Laut der Fonatur-Studien könnte das Projekt allein für das Naturschutzgebiet Calakmul zur größten Gefahr werden, "wenn es das ungeordnete Wachstum des Siedlungsgebietes und die übermäßige Ausbeutung des Naturschutzgebietes für den Tourismus fördert."

Bisher hat die Behörde acht solcher Entwicklungsprojekte vorangetrieben: Cancún, Ixtapa, Los Cabos, Huatulco, Loreto, Marina Cozumel, Litibú und Playa Espíritu. Davon gelten zwei bereits als ökologisch gescheitert: Litibú und Playa Espiritú.

Aus den Fonatur-Studien geht außerdem hervor, dass im Entwicklungsgebiet Cancún in den vergangenen 40 Jahren 77 Prozent der Wälder und 64 Prozent der Dünen verloren gegangen sind.

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