Zapatisten, Wissenschaftler und NGOs in Mexiko mobilisieren gegen Tren Maya

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Auch die EZLN ruft zum Widerstand gegen das Infrastrukturprojekt "Tren Maya" auf
Auch die EZLN ruft zum Widerstand gegen das Infrastrukturprojekt "Tren Maya" auf

Mexiko-Stadt. Seit dem Baubeginn der Zugstrecke in der vergangenen Woche mehren sich erneut Stimmen gegen das Großprojekt Tren Maya. Trotz der Einschränkungen, die dem politischen Aktivismus wegen der Corona-Pandemie gesetzt sind, organisiert sich die Zivilgesellschaft vielfältig.

Soziale Medien bieten in diesen Tagen einen wichtigen Raum für Protestaktionen. So ruft die Nationale Zapatistische Befreiungsarmee (EZLN) mit acht weiteren indigenen Organisationen zur kollektiven Auflehnung gegen den Tren Maya aus. Über den Hashtag #ElEncierroNoMeCalla (Das Einschließen bringt mich nicht zum Schweigen) fordern sie die Gesellschaft dazu auf, sich dem Protest anzuschließen.

Die Regierung selbst verteidigt indes den Bau-Beschluss damit, die "Wirtschaft der Region reaktivieren" und die "historischen Schulden des Staates gegenüber dem mexikanischen Südosten" begleichen zu wollen. Die Zugstrecke soll über eine Länge von 1.460 Kilometern die fünf Bundesstaaten Chiapas, Tabasco, Campeche, Yucatán und Quintana Roo miteinander verbinden. Während der ersten Bauphase sollen bis zu 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dass der Bau der Zugstrecke für viele, vor allem indigene Gemeinschaften mit dem Verlust ihrer Länder und einer sozialen Verelendung zusammenfalle, scheine die Regierung nicht zu erkennen, so die Kritik.

Violeta R. Nuñez Rodríguez, Wissenschaftlerin der Autonomen Universität Xochimilco, weist darauf hin, dass der Südosten des Landes nicht erst unter prekären Zuständen leide, weil der Staat nicht ausreichend Kapital dort investiert habe. Gerade die staatliche Förderung von Großprojekten wie des Tren Maya, würde zur "Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der menschlichen Arbeitskraft" führen und dadurch prekäre Lebensverhältnisse kontinuierlich reproduzieren.

Eine Untersuchung des Instituts zur Transformation mexikanischer Landgebiete (Ceccam) zweifelt den sozial wirkungsvollen Charakter des Projekts ebenfalls an: "Viele der beteiligten Gemeinschaften, die angeblich davon profitieren würden, werden in Wahrheit der Möglichkeit beraubt, frei zu bestimmen, ob sie das Projekt unterstützen sollten oder nicht." Außerdem verschweige die Regierung, dass diese Infrastruktur lediglich dem industriellen Ausbau des Landes diene und nicht – wie behauptet – Strukturen sozialer Gerechtigkeit schaffe, warnt das Institut. Man könne feststellen, dass mit dem bisherigen Prozess der Umsetzung "fortwährende Gewalt gegenüber den indigenen Gemeinschaften" verbunden gewesen sei.

Nichtregierungsorganisationen wie Educa unterstreichen die Wichtigkeit dieser Studie als "Beitrag zur Sichtbarmachung der Auswirkungen" des Tren Maya auf indigene Gemeinschaften.

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