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Mexiko: Bauarbeiten für Tren Maya beginnen trotz Pandemie, Klagen wegen Gesundheitsrisiko

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Pressekonferenz von Fonatur zum Beginn der Bauarbeiten für den Tren Maya in Zeiten der Corona-Pandemie
Pressekonferenz von Fonatur zum Beginn der Bauarbeiten für den Tren Maya in Zeiten der Corona-Pandemie

Palenque. Die staatliche Organisation für Tourismusförderung (Fonatur) hat den Beginn der Bauarbeiten an der ersten Teilstrecke des Megaprojekts Tren Maya bekanntgegeben. Kritiker befürchten für die lokale Bevölkerung neben den ökologischen und sozialen negativen Auswirkungen durch die Bauarbeiten eine Gesundheitsgefahr für die lokale Bevölkerung und reichten deswegen eine Verfassungsklage ein.

Das staatliche Megaprojekt Tren Maya ist eine Zugstrecke über eine Länge von 1.460 km, die die fünf Bundesstaaten Chiapas, Tabasco, Campeche, Yucatán und Quintana Roo miteinander verbinden soll. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass die Wirtschaft der Region durch Tourismus, Güter- und Personenverkehr angekurbelt wird. Die internationale Ausschreibung für die erste von sieben Teilstrecken wurde einem Zusammenschluss aus fünf Unternehmen zugesprochen, das sich aus einer portugiesischen, einer chinesischen und drei mexikanischen Firmen zusammensetzt. Trotz der akuten Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Schutzmaßnahmen haben die Bauarbeiten in Chiapas, in acht Kilometer Entfernung der Stadt Palenque, begonnen.

Der mexikanische Präsident, Andrés Manuel López Obrador, scheint die Befürchtungen der lokalen, überwiegend indigenen Bevölkerung sowie von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen jedoch weitgehend zu ignorieren. So behauptete er im Februar, das Projekt werde Emissionen um 50 Prozent reduzieren. Zu den eingereichten Verfassungsklagen aufgrund von Menschenrechtsverletzungen, die derzeit geprüft werden, äußerte er sich bisher allerdings noch nicht.

So wurde nach einer Klage der Indigenen-Organisation CRIPX aufgrund einer umstrittenen Befragung von Anwohnern vergangene Woche eine weitere Klage eingereicht. Darin wird gefordert, die Bauarbeiten aufgrund des Gesundheitsrisikos für die lokale indigene Bevölkerung vorerst einzustellen. Im ländlichen Raum ist das Gesundheitssystem aufgrund der Pandemie überlastet, während die Anzahl der Personen, die durch Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck zur Risikogruppe gehören, besonders hoch ist.

Der zuständige Richter ordnete zunächst eine vorrübergehende Aussetzung an, die sich auf die drei Gemeinden der indigenen Gruppe Maya-Chol (Palenque, Ocosingo und Salto de Agua) bezieht und die bis zum 14. Mai gilt.

Die staatliche Organisation Fonatur äußerte hingegen in einer Pressemitteilung, dass sie über diese richterliche Entscheidung nicht informiert worden sei. Romel González Díaz, Sprecher von CRIPX, kritisierte in einem Gespräch mit amerika21 die intransparente Kommunikation als Zeichen totalitärer Politik. Er merkte zudem an, dass durch die Maßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht protestiert und somit nur mittels rechtlicher Mittel der Stimme der indigenen Bevölkerung Ausdruck verliehen werden könnte.

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