Tote bei Protesten in Mexiko wegen Wasserexport in die USA

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Protestierende Bauern übernahmen die Kontrolle über "La Boquilla"
Protestierende Bauern übernahmen die Kontrolle über "La Boquilla"

Chihuahua. Im Norden Mexikos ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen, bei denen zwei Menschen ums Leben kamen. Grund für die Proteste sind die in einem internationalen Abkommen festgelegten, bevorstehenden Wasserexporte in die USA. Die Landwirte in Chihuahua fürchten, dass die in Mexiko verbleibenden Wassermengen nicht ausreichen würden, um ihre eigenen Pflanzen zu bewässern und setzten sich deshalb zur Wehr.

Nachdem es in den letzten Monaten immer wieder massive Proteste gegeben hatte, drangen am vergangenen Mittwoch Demonstranten in das Staudammgelände von "La Boquilla" ein, setzten sich sowohl mit der Nationalgarde als auch dem Militär auseinander und übernahmen letztendlich die Kontrolle über die Stauanlage. Während die Protestierenden mit Stöcken, Steinen und Molotovcocktails gegen die Sicherheitskräfte vorgingen, reagierten jene mit dem Einsatz von Tränengas.

Wenig später kam es in der Nähe des Geschehens zu einer Schießerei. Die Nationalgarde teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, sie sei von bewaffneten Personen abgefangen und angegriffen worden, als sie drei kurz zuvor Verhaftete abtransportierte. Sie habe "entsprechend reagiert und den Angriff abgewehrt". Anschließend an den Schusswechsel wurden eine tote sowie eine verletzte Person in einem Auto aufgefunden. Letztere erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Bei den Todesopfern handelte es sich um das Ehepaar Yesy Silva und Jaime Torres. Sie waren selbst Walnussbauern in der Region und in die vorausgehende Demonstration involviert gewesen. Verschiedene Organisationen verurteilten den Mord und forderten Aufklärung der tödlichen Gewaltanwendung durch die Nationalgarde.

Die Wasserproblematik, die zu den Protesten führte, ist nicht neu. Bereits seit 1944 besteht das Wasserabkommen zwischen den USA und Mexiko. Darin wurde die gemeinsame Nutzung zweier in der Grenzregion gelegenen Flüsse zwischen den beiden Staaten geregelt. Demnach ist Mexiko dazu verpflichtet, im Durchschnitt jährlich ein Minimum von 432 Millionen Kubikmetern Wasser des Flusses Bravo den USA zur Verfügung zu stellen. Umgekehrt müssen die USA den mexikanischen Staat mit Wasser aus dem Fluss Colorado versorgen. Im Jahr 2019 kam Mexiko seiner Verpflichtung nicht vollständig nach, weshalb nun die bestehenden "Wasserschulden" bis Ende Oktober auszugleichen sind.

Es kamen vermehrt Stimmen auf, diese Proteste würden "politisiert" werden: Wassermangel sei nicht das eigentliche Problem, sondern der Unmut über die Tatsache, dass die Wasserpolitik vom Staat bestimmt wird. Auch der mexikanische Präsident erklärte, die Proteste seien politisch motiviert und würden sich gegen seine Regierung richten.

Tatsächlich weisen jedoch 52 der 67 Gemeinden Chihuahuas Anzeichen von Dürre auf. Regenfälle blieben in den vergangenen Monaten weitgehend aus. Darüber hinaus hätten die Stauseen aktuell nur wenig Wasser gespeichert. Dies zeigte ein von der Regierung Chihuahuas veröffentlichter Bericht.

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