Warum die Corona-Pandemie Frauen in Kolumbien und Mexiko besonders gefährdet

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Immer wieder gehen Frauen in Mexiko auf die Straße und fordern von der Regierung Maßnahmen zu ihrem Schutz
Immer wieder gehen Frauen in Mexiko auf die Straße und fordern von der Regierung Maßnahmen zu ihrem Schutz

Bogotá/Mexiko-Stadt. Morde und sexuelle Gewalt nehmen in Mexiko in Kolumbien trotzt der Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie weiter zu, wie offizielle Zahlen nun zeigen.

Aus einem Bericht der Ombudsbehöre von Kolumbien geht hervor, dass Frauen und Mädchen in ländlichen Regionen derzeit einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Sie seien neben dem fast ständigen Aufenthalt zuhause aufgrund der Quarantänemaßnahmen auch durch territoriale Auseinandersetzungen bewaffneter Gruppen und ihre sozioökonomische Situation mehr von Gewalt bedroht.

"Die Pandemie kann keine Entschuldigung dafür sein, Opfer nicht zu verhindern, zu behandeln und zu schützen", heißt es in dem Bericht, der sich an die kolumbianische Regierung und die lokalen Behörden wendet.

In Kolumbien wird nach Angaben der Parlamentskommission für die Gleichstellung von Frauen alle 30 Minuten eine Frau Opfer sexueller Gewalt. Die meisten Übergriffe in den vergangenen vier Monaten gab es demnach an den Grenzen zu Venezuela und Ecuador und entlang der Pazifikküste. Im Jahr 2019 wurden nach offizieller Zählung 22.150 sexuelle Gewalttaten begangen. In fast der Hälfte der Fälle waren Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren Leidtragende.

Auch in Mexiko steigt die sexuelle und geschlechtsbedingte Gewalt an. Schon Anfang des Jahres waren Rekordzahlen zu verzeichnen. Im April wurden nun 267 Frauen ermordet ‒ so viele wie in keinem Monat seit Beginn der Erfassung im Jahr 2015. Insgesamt gab es von Januar bis einschließlich April 987 Morde an Frauen, 308 wurden als Femizide eingestuft. Dies belegen Statistiken des Ministeriums für öffentliche Sicherheit und Bürgerschutz (Secretaría de Seguridad y Protección Ciudadana, SSPC).

Viele mexikanische Frauen sind durch die Quarantänebestimmungen gegen die Verbreitung des Coronavirus unsicheren Situationen ausgesetzt, gerade was häusliche Gewalt angeht. Durch die Ausgangsbeschränkungen müssen die Betroffenen oftmals mit den Tätern im Haus bleiben und können keine Schutzeinrichtungen aufsuchen.

Frauenrechtsorganisationen in Mexiko warnen indes davor, dass die Sparmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie zu Abstrichen bei Programmen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen führen. Das könne 50 Millionen Frauen und Kinder in Gefahr bringen, sagte Wendy Figueroa, Direktorin des Nationalen Netzwerks für Schutzräume (Red Nacional de Refugios).

Amnesty International Mexiko wies darauf hin, dass die Regierung in der Verantwortung stehe, die notwendigen Mittel für die Einhaltung und den Schutz der Menschenrechte der Frauen bereitzustellen. Keine Sparpolitik dürfe dem entgegenstehen.

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