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Iran schickt Treibstofftanker nach Venezuela und warnt die USA

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Kriegsschiffe der US-Navy führen "maritime Sicherheitsoperationen" in der Karibik durch (Aufnahme vom 15. Mai)
Kriegsschiffe der US-Navy führen "maritime Sicherheitsoperationen" in der Karibik durch (Aufnahme vom 15. Mai)

Teheran/Caracas. Die Regierung in Teheran hat eine formelle Warnung an Washington ausgesprochen, die fünf Tanker des Iran, die derzeit auf dem Weg nach Venezuela sind, nicht zu gefährden.

Am Sonntag berief der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif den Schweizer Botschafter ein, der die US-Interessen in Teheran vertritt, und kündigte nachdrücklich an, dass jede feindliche Aktion mit einer "schnellen und entschiedenen Reaktion" beantwortet werden würde.

Die Schiffe, die vom iranischen Hafen Bandar Abbas aus in See stachen, sollen Benzin und andere Produkte im Wert von mindestens 45,5 Millionen US-Dollar an Bord haben. Eines der Tankschiffe, Clavel, passiert derzeit das westliche Mittelmeer, wie aus Informationen von Verfolgungsdaten hervorgeht.

In der vergangenen Woche berichtete Reuters, dass die US-Behörden wegen der Treibstofflieferungen nach Venezuela Maßnahmen gegen den Iran erwägen.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat Venezuela mit massiven Wirtschaftssanktionen ins Visier genommen, darunter ein Ölembargo, das Treibstofflieferungen in das karibische Land blockiert, sowie ein generelles Verbot von Geschäften mit venezolanischen staatlichen Stellen.

In den letzten Monaten hat das US-Finanzministerium zudem sekundäre Sanktionen gegen zwei Tochtergesellschaften des russischen Energieriesen Rosneft verhängt, die neben der Lieferung von Diesel und Benzin bis zu 60 Prozent der Rohölproduktion Venezuelas befördert hatten.

Nach dem Ausscheiden von Rosneft ist Teheran eingesprungen, um Treibstoff sowie technische Hilfe bei der Reparatur von Venezuelas größter Raffinerie bereitzustellen, die seit den landesweiten Stromausfällen im vergangenen Jahr nicht mehr in Betrieb ist. Die Trump-Administration hat den Iran davor gewarnt, den US-amerikanischen Luftkorridor auf dem Weg nach Venezuela zu nutzen und andere Länder aufgefordert, die iranischen Überflugrechte auszusetzen.

Venezuela leidet derzeit unter einem weit verbreiteten Benzinmangel, wobei die einheimische Produktion durch US-Sanktionen behindert wird, die den Import von unerlässlichen Verdünnungsmitteln und Ersatzteilen verbieten, die zur Reaktivierung der Raffineriekapazitäten des Landes benötigt werden.

Die iranischen Tanker bereiten sich auf die Überquerung des Atlantiks vor, während Washington seine Marinepräsenz in der Karibik ausweitet.

Im vergangenen Monat mobilisierte Trump Zerstörer der US-Marine und andere Einsatzkräfte für die Karibik als Teil einer "Anti-Drogen"-Operation gegen Venezuela, die als einer der größten US-Militäreinsätze in der Region seit der Invasion Panamas 1989 gilt.

Als Reaktion auf die Drohungen der USA schickte Teheran auch einen Brief an UN-Generalsekretär Antonio Guterres, in dem der Iran "Amerikas Interventionsvorbereitungen seiner Marine in der Karibik zur Unterbrechung des Transfers [des iranischen Treibstoffs] nach Venezuela" anprangerte.

Nach ihrem einseitigen Rückzug aus dem Nuklearabkommen mit Teheran hat die US-Regierung erneut harte Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängt und diese inmitten der Covid-19-Pandemie weiter verschärft.

Zunehmend fordern multilaterale Gremien die Aufhebung dieser US-amerikanischen Zwangsmaßnahmen, die in Venezuela, Iran und anderen Ländern die Handlungsfähigkeit der zuständigen Stellen gegen die Pandemie lähmen.

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