Mexiko / Menschenrechte

Proteste gegen sexualisierte Gewalt an Universität und Schulen in Mexiko

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"Machos raus aus der UNAM":  Studierende und Angestellte der Nationalen Autonomen Universität Mexiko (UNAM) wehren sich gegen sexualisierte Gewalt
"Machos raus aus der UNAM": Studierende und Angestellte der Nationalen Autonomen Universität Mexiko (UNAM) wehren sich gegen sexualisierte Gewalt

Mexiko-Stadt. Studierende und Angestellte der Nationalen Autonomen Universität Mexiko (UNAM) wehren sich gegen sexualisierte Gewalt an der Hochschule. Fast 200 Akademikerinnen, Studentinnen und Angestellte erklärten sich in einem nun veröffentlichten Brief solidarisch mit der politikwissenschaftlichen Fakultät sowie mehreren Gymnasien, die zur UNAM gehören und sich im Streik befinden ‒ alle aufgrund ungeklärter Vorwürfe gegen Uni-Personal wegen sexueller Belästigung.

"Geschlechtsbasierte Gewalt findet auf unserem Campus genau wie in anderen gesellschaftlichen Sphären statt", heißt es in dem Brief. "Die wachsende Unzufriedenheit mit dem 'Protokoll für die Anerkennung von Fällen geschlechtsspezifischer Gewalt' sowie der für Beschwerden zuständigen Abteilung zeigt, dass es einen Dialog zwischen der Unileitung und den Studierenden darüber geben muss, wie diese Fälle behandelt werden."

Der Leitung der UNAM wurde wiederholt vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen. Erst im Oktober ging der Gerichtsprozess im Fall Lesvy Berlin Rivera Osorio zu Ende, die 2017 im Alter von 21 Jahren auf dem Gelände der Uni von ihrem Freund umgebracht wurde. Obwohl die UNAM nach der Tat eine "interdisziplinäre Gruppe mit Gender-Perspektive" gründete, besuchte nicht eine einzige offizielle Vertreterin oder Vertreter den Prozess als Beobachter.

Im Mai protestierten Schülerinnen und Schüler des Colegio de Ciencias y Humanidades (CCH) Oriente, eines der der UNAM angegliederten Gymnasien mit Tausenden Schülern, gegen die Ermordung ihrer Mitschülerin Aideé Mendoza Jerónimo in einem Klassenraum. Im Laufe des Schuljahres waren bereits zwei andere Gymnasiastinnen verschwunden und ermordet worden, doch die Leitung des CCH erklärte sich für nicht zuständig.

Im März und April 2019 erlebte die #MeToo Bewegung in Mexiko einen Höhepunkt. Besonders viele Anzeigen hagelte es im Bereich der Professoren und Uni-Angestellten. Doch obwohl einige Akademikerinnen an den Foren zur Aufarbeitung beteiligt waren, warfen feministische Studentinnen der Uni-Leitung weiter mangelnden Willen zur Durchsetzung eines gewaltfreien Umfeldes im Studium vor.

Laut einem aktuellen Bericht der UNAM wurden uniintern zwischen 2016 und 2019 921 Anzeigen wegen geschlechtsbasierter Gewalt eingereicht, in 97 Prozent der Fälle seien die Opfer Frauen und in 96 Prozent Männer die Täter gewesen. Dabei seien in fünf von zehn 2019 eingereichten Fällen Sanktionen erfolgt, diese können allerdings auch in einer schlichten Abmahnung bestehen. Socorro Damián, ehemalige Anwältin der politikwissenschaftlichen Fakultät, sagte deswegen gegenüber dem Portal Desinformémonos, dass es keine Lösung für das Problem gebe, "wenn sich nicht die Strukturen ändern, die die systematische Diskriminierung der Frauen erlauben".

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